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Klaus Scheidsteger: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 10. Mai 2026, 20:40 Uhr

Der 1954 in Haan geborete Filmemacher produzierte einst für ARTE und Industriegiganten, bevor er sich ganz der Mobilfunkkritik widmete. Heute verbindet er als Autor und Regisseur wissenschaftliche Studien mit marktkritischen Botschaften – und steht dabei selbst in der Kritik.

Von der Kultur- zur Wirtschaftsdokumentation

Von der Kultur- zur Wirtschaftsdokumentation

Nach einem Studium der Journalistik mit Politik als Nebenfach gründete Klaus Scheidsteger Anfang der 1990er-Jahre in Essen die Produktionsfirma GAC. Schnell gewann der Regisseur einen Ruf für anspruchsvolle Kultur- und Porträtstoffe: arte zeigte seine Filme über Ernest Hemingways Kuba, Spitzenkoch Alain Ducasse sowie über den Mediziner Dietrich Grönemeyer. Auch die Biografie des Holocaust-Überlebenden Martin Gray und die Geschichte des Internet-Pioniers Paulus Neef brachten ihm Festival- und Fernsehpremieren ein. Parallel dazu realisierte er Imagefilme für Unternehmen wie Karstadt, Panasonic, Tengelmann und Salamander. Diese Industrieerfahrung nutzte er später, um interne Abläufe und vermeintliche PR-Strategien der Mobilfunkbranche zu durchleuchten.

Wendepunkt Mobilfunk: Dokumentationen und Netzwerke

Wendepunkt Mobilfunk: Dokumentationen und Netzwerke

Kontakte mit selbst als „elektrosensibel“ beschreibenden Menschen lenkten Scheidstegers Interesse auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen hochfrequenter Felder. Seit 2006 drehte er mehrere TV-Beiträge, darunter „Der Handykrieg“ (MDD/FR2), „Thank you for calling“ und die französische Version „ondes de choc“. In ihnen interviewte er Wissenschaftler wie George L. Carlo und Franz Adlkofer, die vor möglichen Risiken warnen. Die Beitrage finanzierten sich über Mischförderung aus öffentlich-rechtlichen Sendern, eigenen Mitteln und Sponsoren. Als filmischer Begleiter der Kompetenzinitiative dokumentierte Scheidsteger Tagungen, Podien und Einzelinterviews mit Kritikern der geltenden Grenzwerte. Dabei entstanden Kooperationen mit Vereinen wie „diagnose:funk“, dem Münchner Verein für Elektrosensible (VEM) und der anthroposophisch geprägten ELIANT-Initiative. Für seine Recherchen bestritt er Reisen nach Österreich, in die Schweiz und nach Frankreich, wo er mittlerweile lebt.

Begleitforschung und wissenschaftliche Einordnung

Begleitforschung und wissenschaftliche Einordnung

Im Oktober 2022 präsentierte die Kompetenzinitiative in Düsseldorf erste Ergebnisse der sogenannten ATHEM-3-Studie („Athermische Wirkungen elektromagnetischer Felder“). Scheidsteger filmte Vorträge und Interviews mit Projektbeteiligten wie Igor Belyaev und Wilhelm Mosgöller. Im Mai 2024 erschien im Fachjournal „Ecotoxicology and Environmental Safety“ die dazugehörige Originalarbeit von Sachin Gulati et al. Die Untersuchung verglich 100 Personen, die nahe einer Mobilfunkbasisstation wohnen, mit 100 Kontrollpersonen aus entfernteren Gebieten. Die Autoren berichteten signifikant erhöhte chromosomale Aberrationen in der hoch exponierten Gruppe, fanden jedoch weder DNA-Einzelstrangbrüche noch oxidativen Stress. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das schweizerische BAFU stuften die Ergebnisse wegen der kleinen, selektiven Stichprobe und möglicher Störfaktoren als nicht beweiskräftig ein. Belyaev selbst erklärte auf der Düsseldorfer Tagung, die Befunde seien nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Die Studie wurde von der Kompetenzinitiative finanziert; laut Veröffentlichung blieb dem Sponsor der Einfluss auf Design und Auswertung ausgeschlossen.

Öffentliche Auftritte, Medien und Kritik

Scheidstegers Vortrag „30 Jahre Lobbyismus gegen kritische Mobilfunkforschung“ stand am 26. Juli 2025 auf der von Ivo Sasek organisierten „Anti-Zensur-Konferenz“ (AZK) in Winterthur auf dem Programm. Zuvor war er bereits mehrfach bei Saseks Kanal Kla.tv zu sehen. Kritiker werfen ihm vor, sich mit Veranstaltungen zu umgeben, auf denen auch Impf- und Holocaustleugnende auftreten. Seine Filme bezeichneten sie als „Gruselfilme“, weil sie mit dramatischer Musik und düsteren Bildsequenzen arbeiten. Gleichzeitig veröffentlicht Scheidsteger regelmäßig Beiträge auf Plattformen wie NachDenkSeiten, Rubikon/Manova und der Zeitschrift „Raum & Zeit“. Dabei greift er auf Daten des Vereins „diagnose:funk“ zurück und wirft Mobilfunkbetreibern sowie Regulierungsbehörden „Verschleierung“ vor. Physikalische Fachgesellschaften bemängeln, dass wissenschaftliche Konsensergebnisse in seinen Dokumentationen kaum Erwähnung finden.

Produktfilme und wirtschaftliche Verflechtungen

Zwischen 2011 und 2012 drehte Scheidsteger Werbefilme für die Rosenheimer Firma Memon, die nach eigenen Angaben „elektrosmog-neutralisierende“ Schlüsselanhänger und Wohnraumgeräte vertreibt. Seitdem ist er in deren Online-Shop als Regisseur aufgeführt; bei Bestellungen werden seine DVDs kostenlos beigelegt. Auch für den österreichischen Skiverband (ÖSV) produzierte er Imageclips, in denen Memon als offizieller Ausstatter präsentiert ist. Das Unternehmen firmiert unter der Kategorie „Wissenschaftlich nicht anerkannte Strahlenschutzprodukte“ und wurde von Verbraucherschützern wiederholt als Scharlatanerie kritisiert. Scheidsteger selbst betont, er sehe sich als unabhängiger Journalist; Sponsoring-Angaben in seinen Produktionen belegt er mit Hinweisen im Abspann. 2020 gründete er die britische Ltd. „Investitaly“, die jedoch 2022 wieder aufgelöst wurde. Zu seinen weiteren Partnern zählen Kamerahersteller ARRI sowie mehrere kleine Verlage, die sich auf Baubiologie und alternative Heilmethoden spezialisiert haben.

Aktuelle Projekte und Bilanz

Nach eigenen Angaben arbeitet Scheidsteger an einer mehrteiligen Serie über „Visible Light Communication“ (VLC) und an einem Langzeitprojekt mit dem Arbeitstitel „Versuchskaninchen“, in dem er Alltagsmessungen von Mobilfunkstrahlung dokumentiert. Für Schulen und Elterninitiativen stellt er die DVDs „Gesund aufwachsen in der digitalen Medienwelt“ und „Aufwach(s)en im Umgang mit digitalen Medien“ bereit. Die Finanzierung erfolgt über Spenden, DVD-Verkauf und Vortragshonorare. Während seine Anhänger ihm zivilcourage und aufklärerische Arbeit bescheinigen, sehen Wissenschaftsjournalisten und Fachverbände eine einseitige Schwerpunktsetzung auf nicht replizierte Studien. Der Ruf nach transparenten, unabhängig begleiteten Großstudien bleibt unvermindert – ebenso wie Scheidstegers Ankündigung, weitere Recherchen zu liefern, „bis die Politik handelt“.

Weblinks

  1. Süddeutsche Zeitung – Kritik an Mobilfunkdokumentationen
  2. Projekt-Homepage „Thank you for calling“

Veröffentlichungen