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* [http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x/abstract Lee MS, Pittler MH, Ernst E. Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. Int J Clin Pract 2008, 62, 6: 947-954] | * [http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x/abstract Lee MS, Pittler MH, Ernst E. Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. Int J Clin Pract 2008, 62, 6: 947-954] | ||
Version vom 10. Mai 2026, 20:40 Uhr
Reiki wird als „universelle Lebensenergie“ beworben und soll durch Handauflegen Heilung bewirken. Wo die Methode tatsächlich herkommt, wie sie sich verbreitete und was Studien über ihre Wirkung sagen, fasst der folgende Überblick zusammen.
Die Entstehung und globale Verbreitung von Reiki

Reiki geht auf Mikao Usui (1865–1926) zurück, einen japanischen Buddhisten, der um 1922 ein System spiritueller Übungen und Handauflegepraktiken zusammenstellte. Nach seiner Darstellung empfing er dafür während einer Meditationsphase auf dem Berg Kurama eine Art „Eingebung“. Usui selbst bezeichnete sein Konzept als „Usui Reiki Ryōhō“, übersetzt etwa „Usuis Methode der geistigen Heilkraft“. Er unterrichtete bis zu seinem Tod mehrere Schüler, darunter den ehemaligen Marineoffizier Chujiro Hayashi. Dieser eröffnete in Tokio eine Praxis, strukturierte die Handpositionen und führte ein dreistufiges Einführungsritual ein. 1935 reiste die US-amerikanische Staatsbürgerin Hawayo Takata aus Hawaii zu Hayashi, ließ sich ausbilden und brachte Reiki in die Vereinigten Staaten. Takata modifizierte die Lehre weiter: Sie erhöhte die Ausbildungsgebühren erheblich (erste Stufe 175 US-Dollar, Meisterstufe 10.000 US-Dollar) und wies ihre Schüler an, das Preismodell beizubehalten. Zwischen 1970 und 1980 ernannte sie 22 Reiki-Meister, woraus die weltweite Verbreitung resultierte. Nach ihrem Tod 1980 übernahm ihre Enkeltochter Phyllis Furumoto die Führung der „Reiki Alliance“, eines Zusammenschlusses klassisch ausgebildeter Lehrer.
Grundannahmen und Ablauf einer Behandlung

Reiki setzt sich aus den japanischen Begriffen „Rei“ (allumfassend, universell) und „Ki“ (Lebensenergie) zusammen. Anhänger gehen davon aus, dass der Mensch über ein feines Energienetzwerk verfügt, das durch Stress, Krankheit oder emotionale Belastungen ins Ungleichgewicht geraten kann. Durch sanftes Auflegen oder Halten der Hände in bestimmten Körperzonen will der Behandler „Reiki-Energie“ weiterleiten, Blockaden lösen und die Selbstheilungskräfte aktivieren. Typische Sitzungen dauern 45 bis 90 Minuten; der Empfänger bleibt vollständig bekleidet und liegt meist auf einer Massageliege. Neben der Behandlung von Menschen wird Reiki inzwischen auch auf Tiere, Pflanzen, Nahrungsmittel oder Wasser angewendet; die Methode bleibt identisch: Die Hände werden kurz darüber gehalten, wobei der Anwender bestimmte Symbole mental zeichnet oder murmelt. Die Reiki-Lehre unterscheidet drei Ausbildungsstufen: In der ersten erhält der Schüler durch „Einweihungen“ den Zugang zur Energie, in der zweiten lernt er drei Symbole für Fernbehandlungen und emotionale Ausgleichsprozesse, in der dritten Stufe gilt er als Meister und erhält ein viertes Symbol, mit dem er selbst wieder Einführungen vornehmen kann.
Wissenschaftliche Studien und Wirksamkeitsnachweise

In der medizinischen Fachwelt gilt Reiki als nicht erwiesen. Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 100 Fibromyalgie-Patienten zeigte 2010 keinen signifikanten Unterschied zwischen echter Reiki-Behandlung und einer Scheinbehandlung durch einen geschulten Schauspieler. Auch eine systematische Auswertung aller bis 2008 verfügbaren klinischen Prüfungen kam zu dem Schluss, dass für eine spezifische Wirksamkeit keine ausreichende Evidenz vorliegt. Problematisch ist laut Forschern die Konstruktion eines glaubwürdigen Placebo-Verfahrens: Während echte Reiki-Behandler behaupten, universelle Energie zu kanalisieren, müsste ein Kontrollgruppen-Anbieter genau dieselben Rituale vollziehen, ohne an die Wirkung zu glauben – eine Differenz, die Versuchsteilnehmer schwer verbergen können. Messungen mit Wärmebildkameras oder Elektroden konnten bisher keine objektivierbare Energieübertragung nachweisen. Kritiker führen beobachtete subjektive Besserungen vor allem auf Beruhigung, Aufmerksamkeit und Suggestion zurück.
Risiken, Kosten und organisatorische Strukturen
Körperliche Schäden durch Reiki sind aufgrund des nicht-invasiven Vorgehens selten dokumentiert. Problematisch wird es nach Einschätzung von Verbraucherschützern, wenn Patienten auf eine schulmedizinische Therapie verzichten oder wenn hohe Ausbildungsgebühren erwartet werden. Die Preise schwanken stark: Während einige Anbieter Einweihungen per E-Mail kostenlos zusenden, verlangen traditionsverbundene Lehrer noch heute mehrere Tausend Euro für die Meisterstufe. Die 1983 gegründete „Reiki Alliance“ erkannte lange nur Lehrer an, die 10.000 US-Dollar entrichtet hatten; inzwischen existieren zahlreiche konkurrierende Verbände mit unterschiedlichen ethischen Richtlinien. Einzelne Sektenberatungsstellen warnen, dass Reiki als Einstieg in psychologisch manipulative Gruppen dienen könne, wenn Heilversprechen mit teuren Aufbaukursen gekoppelt werden. Verbreitung findet Reiki heute überwiegend in Wellness-Centers, alternativmedizinischen Praxen und Online-Kursen; eine staatliche Anerkennung als Heilmethode besteht in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht.
Weblinks
- Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen: Kompakt-Infos Reiki (Mai 2009)
- AGPF Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung: Reiki – Das Patentrezept des Japaners Mikao Usui
- Süddeutsche Zeitung: Geist- und Wunderheilung – Heilsame Hände (28.08.2007)