Sucharit Bhakdi
Der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi wurde durch seine wissenschaftlichen Arbeiten über bakterielle Gifte bekannt, geriet jedoch während der COVID-19-Pandemie in die Kritik. Seine Einschätzungen zu Impfstoffen und Maßnahmen stoßen auf breite Ablehnung.
Karriere als Immunologe und Entdecker bakterieller Toxine

Sucharit Bhakdi, geboren am 1. November 1946 in Washington, D.C. als Sohn thailändischer Diplomaten, studierte von 1963 bis 1970 Medizin in Bonn. Nach der Promotion 1971 forschte er an den Max-Planck-Instituten in Freiburg, habilitierte sich 1979 in Gießen und wurde 1990 als Professor für Medizinische Mikrobiologie an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz berufen. Von 1991 bis zu seiner Emeritierung im April 2012 leitete er das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene. Seit 2016 ist er Gastwissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Bhakdis Grundlagenforschung konzentrierte sich auf sogenannte Porenbildner: 1978 identifizierte er das erste Protein, das Zellen durch Einstich in ihre Membran zerstört – das Komplement-Molekül C5b-9. Bald darauf zeigte er, dass auch krankmachende Bakterien solche Toxine produzieren. Die Erkenntnis, dass das körpereigene Komplementsystem in Gefäßwänden aktiviert wird, wo sich LDL-Cholesterin ablagert, führte zur „Mainzer Hypothese“ zur Entstehung der Arteriosklerose. Die Royal Society lud ihn 1984 zu einem Vortrag über Membranschäden ein. In PubMed sind mehr als 300 Publikationen mit seiner Beteiligung nachgewiesen.
Öffentliche Kritik an Pandemie-Maßnahmen und Dateninterpretation

Nach Ausbruch von COVID-19 wandte sich Bhakdi mit Videos und offenen Briefen gegen die deutsche Lockdown-Politik. Bereits am 18. März 2020 – einen Tag nach den ersten Ladenschließungen – gründete er einen YouTube-Kanal, auf dem er die Datengrundlage der Maßnahmen infrage stellte. Er monierte, Infiziertenzahlen würden ohne Differenzierung nach Symptomatik präsentiert, und Todesfälle würden pauschal „Corona-Toten“ zugeordnet, ohne die tatsächliche Todesursache zu klären. Als Erklärung für hohe Sterberaten in Norditalien und chinesischen Metropolen führte er Luftverschmutzung und vorgeschädigte Lungen an. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 26. März 2020 bezeichnete er Kontaktbeschränkungen als Verletzung von Grundrechten. Die fünf Videos erreichten binnen sechs Wochen über vier Millionen Aufrufe und rund 50.000 Abonnenten. Im Herbst 2020 erklärte er, eine „zweite Welle“ werde nicht eintreten – tatsächlich erreichte Deutschland jedoch einen erneuten Infektionsgipfel.
Weblinks
Veröffentlichungen
- S. Bhakdi et al.: Molecular nature of the complement lesion. PNAS 1978
- S3-Leitlinie COVID-19 Therapie, AWMF 2021
- The Lancet: John Snow Memorandum