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Fostac

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:29 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Fostac» angelegt/aktualisiert)
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Die Schweizer Fostac AG vertreibt Geräte und Substanzen, die Wasser beleben, Elektrosmog neutralisieren oder Strom sparen sollen. Wissenschaftliche Belege für die angeblichen Effekte fehlen bislang vollständig.

Unternehmensstruktur und Historie

Unternehmensstruktur und Historie

Die Fostac AG mit Sitz in Bichwil SG wurde 1989 von Hans Seelhofer gegründet. Der Agraringenieur hatte zuvor im Milchwirtschaftssektor gearbeitet und Käsereianlagen geplant. Nach seinem Tod im Jahr 2011 führten Sohn Benny Seelhofer sowie die weiteren Gesellschafter Alexander Glogg und Alfons Handermann das Unternehmen fort. Unter dem Dach der Fostac-Gruppe sind neben der Muttergesellschaft die Fostac International GmbH, die Fostac Immobilien AG, die Fostac Heilklänge GmbH und ein eigener Verlag aktiv. Die 2012 konkursierte Fostac Technologies AG war bis dahin für die Entwicklung des „Maximus“-Stromsparers zuständig. Das Netzwerk umfasst nach eigenen Angaben rund 85 Vertreter in Deutschland, die sich als „Geobiologie- und Gesundheits-Berater“ bezeichnen und zumeist kleine Elektrobetriebe oder Anbieter esoterischer Dienstleistungen sind.

Produktpalette zwischen Wasserbelebung und Elektrosmogschutz

Produktpalette zwischen Wasserbelebung und Elektrosmogschutz

Das Sortiment reicht von glasfaserverstärkten Matten („Electric“, „Geo“) über pyramidenförmige Glasobjekte („Radimax“, „Sana Lea“) bis hin zu Aluminiumröhren („Kozyrev-Spiegel“), die laut Anbieter „Raum-Zeit-Tore“ öffnen und das Bewusstsein erweitern sollen. Als „tachyonisiert“ bewirbt Fostac unter anderem Wasser („Aqua Tachyonia“) und kleine Dreiecke aus Silizium („Traffic“), die an Motor und Tank geklebt die Verbrennung optimieren wollen. Ein mit Sand gefülltes Glasrohr namens „Rho-Stab“ soll Radioaktivität durch Informationsübertragung auf „körperverträgliche“ Wellenlängen reduzieren. Preislich bewegt sich die Spanne von einigen Dutzend Euro für Aufkleber bis zu 8.700 Euro für einen Kozyrev-Spiegel. Die Produkte werden überwiegend in Online-Shops und bei Seminaren vertrieben, in denen Themen wie Pendeln, Geomantie oder Engel-Kontakt vermittelt werden.

Stromspargeräte und der Fall ‚Maximus‘

Stromspargeräte und der Fall ‚Maximus‘

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der „Fostac Maximus“, ein Kasten, der in die Hausstromleitung eingebaut und mit bis zu 30 Prozent weniger Stromverbrauch beworben wurde. Die ehemalige Tochterfirma Fostac Technologies AG ließ das Gerät in Deutschland fertigen und über eine Vertriebsgesellschaft in Hessen ausliefern. Ein sechsmonatiger Praxistest der gemeinnützigen Goede-Stiftung ergab jedoch keine messbare Einsparung. Der Versuch fand in einem Einfamilienhaus statt; vor und nach dem Einbau wurden alle Zählerstände protokolliert und die Witterung berücksichtigt. Die Foundation dokumentierte konstante Verbräuche und bescheinigte dem Gerät eine „völlige Wirkungslosigkeit“. Nach dem Konkurs der Technologies AG im November 2012 ging die Produktion an die deutsche maxii Energii GmbH über, die das Gerät unter eigenem Namen weiterverkauft.

Begleitende Gutachten und methodische Kritik

Als wissenschaftliche Unterstützung verweist Fostac wiederholt auf Untersuchungen des Münchner Arztes Manfred Doepp. In dessem „Holistic Center“ wurden mehrere Produkte mit dem Prognos-Meridiandiagnostik-System, dem AMSAT-HC und dem TimeWaver Cardio getestet. Die daraus resultierenden Berichte attestieren den Glasobjekten und Matten „positiv-biologische Effekte“ und „Energie-Steigerungen“. Doepp arbeitet dabei ohne Kontrollgruppen und verwendet Messgeräte, die in der akademischen Medizin nicht validiert sind. Zudem ist er über die TimeWaver Gesundheitszentrum AG gemeinsam mit dem Fostac-Gesellschafter Alexander Glogg geschäftlich verflochten, was seine Unabhängigkeit in Frage stellt. Fachseiten für Energiemesstechnik stufen die vorgelegten Kurven als nicht reproduzierbar ein.

Marktposition und rechtliche Einordnung

Die Fostac AG sieht sich selbst als Wegbereiter „alte atlantischer Lichtwerkzeug-Technologien“, die dem Unternehmen nach eigenen Angaben 2002 vom „aufgestiegenen Meister Lantos“ übermittelt wurden. Der Name Fostac setzt sich laut interner Erklärung aus dem griechischen Wort für Wasser („FOS“) und der Abkürzung für Tachyonen („TAC“) zusammen. Auf ihrer Website veröffentlicht das Unternehmen zahlreiche Erfahrungsberichte von Anwendern, die von besserem Schlaf, gesteigerter Leistungsfähigkeit oder niedrigerem Stromverbrauch berichten. Bislang liegen jedoch keine unabhängigen Studien vor, die die physikalischen oder gesundheitlichen Behauptungen stützen. Die Schweizer Gesundheitsbehörden haben keinerlei Zulassungen für die als „Heilklänge“ beworbenen Produkte erteilt, und deutsche Verbrauchermagazine listen Fostac seit Jahren in Rubriken für „Energie-Schnüffler“.

Weblinks

  1. Firmenvideo „Im Auftrag der Harmonie“ auf YouTube
  2. K-Tipp-Bericht „Strom gespart? Geld weg!“ (07/2008)
  3. SRF-Beitrag „Geldmacherei mit Esoterik-Humbug“ (12. April 2011)
  4. Testbericht der Goede-Stiftung (PDF)