Kryon
Seit 1989 verbreitet der US-amerikaner Lee Carroll Botschaften des geistigen Wesens „Kryon“. Mittlerweile zählen auch deutschsprachige Medien wie Barbara Bessen oder Sabine Sangitar Wenig zum Kreis der Übermittler. Die Szene wächst, obwohl es keine belastbaren Umsatzzahlen gibt.
Ursprung und Selbstbeschreibung des Wesens

Der Begriff „Kryon“ tauchte erstmals 1989 auf, als der ehemalige Musikproduzent Lee Carroll aus Kalifornien behauptete, von einem außerirdischen Intelligenzwesen kontaktiert zu werden. In der Regel beginnen die übermittelten Texte mit dem Satz „Ich bin Kryon vom Magnetischen Dienst“. Carroll präsentiert das Wesen als „Meister der magnetischen Energien“, der seit der sogenannten Harmonischen Konvergenz im Sommer 1987 daran arbeite, das Erdmagnetfeld neu zu justieren. Ziel sei es, die physikalischen Voraussetzungen für einen globalen Bewusstseinswandel zu schaffen. Ende 2002 wurde ein neues „Magnetgitter“ um die Erde fertiggestellt, heißt es in den Unterlagen. Die Frequenz dieser Energie wird als „multidimensional und hoch“ beschrieben, wissenschaftliche Belege für magnetische Umbauarbeiten liegen nicht vor.
Verbreitung und kommerzielle Nutzung

Anfangs sprach Carroll von maximal neun weltweit legitimen Kryon-Kanälen, zu denen er selbst zählte. Die Zahl stieg jedoch rasch, weil weitere Personen ähnliche Botschaften empfingen und auf dem Esoterikmarkt anboten. Im deutschsprachigen Raum sind neben Carroll die Heilpraktikerin Barbara Bessen sowie Sabine Sangitar Wenig mit ihrer „Kryon-Schule“ bekannt. Letztere kombiniert Seminare, Bücher und Online-Kurse zu einem Angebot, das laut Beobachtern expansiv wächst. Konkrete Umsatzzahlen existieren nicht, da viele Anbieter auf Selbstvermarktung setzen und keine Bilanzen veröffentlichen. Die Inhalte der einzelnen Kanäle stimmen nicht immer überein: Mal erscheint Kryon als engelhafter Helfer, mal als Raumschiffkommandant oder kosmisches Mitglied einer „höheren Dimension“.
Parallelen und historische Einordnung

Kryon reiht sich in eine lange Liste gechannelter Figuren ein, die teils historische Vorbilder haben, teils frei erfunden sind. Zu den bekanntesten zählen der von Jane Roberts übermittelte „Seth“, der von J. Z. Knight präsentierte „Ramtha“ oder „Ashtar Sheran“, der schon in UFO-Kreisen der 1950er-Jahre auftauchte. Auch religiöse Gestalten wie Jesus, unter dem Namen „Sananda“, oder der Graf von Saint-Germain werden regelmäßig als Quelle zitiert. Die Texte dieser Wesenheiten unterscheiden sich in konkreten Prognosen, etwa zu Naturkatastrophen, erkennbar. Gemeinsam ist ihnen längeren Passagen voller esoterischer Begriffe, eine betonte Wortfülle und der Appell an spirituelles Wachstum. Für die Gletscherkunde existiert übrigens ein gleichlautender Fachbegriff: „Kryon“ bezeichnet dort das aus Gletschern austretende Schmelzwasser und die zugehörige Lebensgemeinschaft – eine rein wissenschaftliche Verwendung ohne Bezug zur Channeling-Szene.