International Institute for Research on Electromagnetic Compatibility
Das International Institute for Research on Electromagnetic Compatibility (IIREC) aus Krems an der Donau erstellt Gutachten für Produkte, die vor Elektrosmog schützen sollen. Das Institut entwickelte eigene Messverfahren wie das „Feldkohärenzmuster“ und das Konzept des „Magnetfeld-Ausgleichs“, die in der wissenschaftlichen Gemeinschaft keine Anerkennung finden.
Firmensitz, Struktur und Geschäftsmodell

Das International Institute for Research on Electromagnetic Compatibility (IIREC) ist ein österreichisches Kleinunternehmen mit Hauptsitz in Krems an der Donau. Betrieben wird es vom Chemiker Walter Medinger. Zeitweise wurde auch eine Adresse in Linz angegeben. In Tel Aviv ist die IIREC Technologies Israel Ltd. aktiv, deren Mitarbeiter unter anderem Eliran Moreno und Raul Wallenberg genannt werden. Das IIREC entwickelt und vertreibt Gutachten für eine Vielzahl von Produkten, die als Schutz vor Elektrosmog oder zur „Entstörung“ der Umgebung beworben werden. Dabei handelt es sich um Aufkleber, Folien, Anhänger und ähnliche Gegenstände. Gleichzeitig ist das Institut selbst Hersteller eines solchen Produkts: der ZONE030 Smart Card, die über die israelische Tochterfirma vertrieben wird. Auf der Website der israelischen Niederlassung finden sich neben den Gutachten auch direkte Verkaufslinks für diese Karte, was potenzielle Interessenkonflikte aufwirft. Wolfgang Homann, zuvor als kaufmännischer Leiter des IIREC genannt, betreibt die Firma Bicotec, die Aufkleber vertreibt, die einen angeblichen „Magnetfeld-Ausgleich“ bewirken sollen.
Eigene Messverfahren und physikalische Grundlagen

Das IIREC bedient sich mehrerer proprietärer Messmethoden, die in der etablierten Wissenschaft keine Entsprechung finden. Zentrales Verfahren ist das „Feldkohärenzmuster“ (FKM), bei dem die vertikale Komponente der magnetischen Flussdichte des Erdmagnetfelds mit einem preiswerten mobilen Magnetometer gemessen wird. Auf einer Fläche von einem Quadratmeter werden 121 Messpunkte in einem 11×11-Raster abgetastet – einmal ohne Handy, dann mit Handy ohne Schutzprodukt und schließlich mit Handy plus Schutzprodukt. Die erhaltenen Werte werden interpoliert, farbig dargestellt und als Karte ausgegeben. Entscheidend ist nach Angaben von Medinger nicht die Stärke des Magnetfelds, sondern die räumliche Änderung zwischen benachbarten Punkten. Eine weitere Methode ist die sogenannte „Kohärenzspektroskopie“ oder „Phasenkohärenz-Resonanzspektroskopie“. Hierbei werden Wasserproben mit niederfrequenten, zirkular polarisierten magnetischen Pulsen beaufschlagt; auftretende Resonanzen sollen im Mikrowellenbereich als Parallelresonanzen detektiert werden. Die dabei induzierte elektrische Spannung wird über eine Schleifenantenne erfasst. Medinger behauptet, in Wasser könnten „elektromagnetische Signale“ gespeichert werden – eine Anspielung auf das hypothetische Konzept des „Wassergedächtnisses“. Auch die Existenz von „Wirbelpotentialen“ nach Konstantin Meyl wird von ihm referiert. Keines dieser Verfahren wurde in unabhängigen Studien repliziert oder wissenschaftlich anerkannt.
Das Konzept des „Magnetfeld-Ausgleichs“ und das VAM-Prinzip

Das IIREC propagiert ein dreistufiges Konzept mit den Schwerpunkten „Vermeidung, Abschirmung und Magnetfeld-Ausgleich“ (VAM). Dabei wird argumentiert, Magnetfelder ließen sich – anders als elektrische Felder – nicht abschirmen, weil sie „Information und nicht Energie“ übertrügen. Ein „Magnetfeld-Ausgleich“ sei daher unerlässlich, um ein „magnetisches biologisches Gleichgewicht“ wiederherzustellen. Wie ein solcher Ausgleich technisch realisiert werden soll, bleibt offen. Auf dem Markt befinden sich jedoch zahlreiche Produkte wie „Ausgleichsfolien“ oder „Magnetfeld-Entzerrer“, deren Hersteller sich von IIREC-Gutachten bestätigen lassen. Das Institut wirbt damit, über „weltweit führendes Know-how“ bei der Bewertung solcher Produkte zu verfügen. Das Konzept des Magnetfeld-Ausgleichs ist in der wissenschaftlichen Literatur nicht etabliert. Auch das vom Heilpraktiker Martin Keymer betriebene „Kompetenzzentrum für bio-physikalische Feldmessungen“ bezieht sich auf das VAM-Prinzip und arbeitet laut eigenen Angaben mit dem IIREC zusammen, insbesondere bei der Ermittlung von Feldkohärenzmustern.
Gutachten und Zertifikate für zahlreiche Produkte
IIREC-Gutachten liegen für eine lange Liste von Produkten vor, die allesamt mit positiven Ergebnissen präsentiert werden. Zu den begutachteten Artikeln zählen der ACDC Equaliser, der Airdoc Raumharmonisierer und Airdoc Handychip, der AkuRy-Stick und AkuRy-Chip, der Aulterra-Neutralizer, der BiCoTec Wirkträger (Alpha Prevent), der Bioprotect Handy-Aufkleber, EMF-Anhänger und EMF-Therapieampullen, der Gabriel-Chip, Genesis Pro Life-Produkte, das Geo Qui Net-Kunststoffnetz, das Bett „Guten Morgen“, der „Harmonisator“ von LESS Strahlenschutz, Hexagonwasser, Maunawai Wasserfilter, die ZONE030 Ausgleichsfolie, Qi-Home-Geräte, Resopoint, Produkte des Heilstollens Berchtesgaden, TerraPro Energieauflagen, Turbovis-Klimawandler, der kosmische UMH-Energetisator, ein „Veredelungsverfahren“ von Olivera von Engelleben, Vita Tronic Raumharmonisierer, NIPNetz-Produkte der Top-Quant GmbH, WAVEEX Handychips, Wekroma-Produkte und weitere. Die Gutachten werden in der Werbung der jeweiligen Anbieter verwendet, um eine wissenschaftliche Legitimation zu suggerieren. Kritisiert wird, dass die Untersuchungen in der Regel nicht verblindet durchgeführt wurden, keine statistische Auswertung enthalten und ohne Replikation durch Dritte bleiben. Angaben zu Standardabweichungen oder systematischen Fehlern fehlen ebenso.
Seminare, Schulungen und Patentaktivitäten
Über die „IIREC-Akademie“ wurden zeitweise Schulungen in den eigenen Messverfahren angeboten. Interessenten konnten über die Firma Abel & Käufl Mobilfunk GmbH Geräte wie das „IIREC Präzisions-Teslameter“ sowie Messraster für Betten erwerben. Eine Ausbildung zum „diplomierten Elektrobiologen IIREC“ oder zum „Raum-Energie-Berater“ war ebenfalls Teil des Programms; letztere umfasste Unterricht in Bioresonanz und „physikalischer Geomantie“. 2007 wurde zudem für „Global-Scaling-Seminare“ mit Hartmut Müller geworben, der später wegen Anlagebetrugs verurteilt wurde. Auf der damaligen Website des IIREC waren diese Angebote noch 2013 einsehbar. Ein Patent wurde für das Verfahren zur „Punkt-Raster-Diagnose von Störstellen im Raum auf der Grundlage der magnetischen Flussdichte“ angemeldet und erteilt (AT 501845 B1, Anmeldetag 15. März 2005, erteilt am 15. August 2008). Das Dokument beschreibt die rasterbasierte Vermessung räumlicher Magnetfeldvariationen, wie sie im Rahmen der FKM-Methode angewendet wird.
Weblinks
- Eintrag zum Gabriel-Chip auf scienceblogs.de
- Übersichtsseite zu IIREC auf cirquartus.com
- Informationen zur israelischen Niederlassung auf cirquartus.com
Einzelnachweise
- Österreichisches Patent AT 501845 B1: Verfahren zur Punkt-Raster-Diagnose von Störstellen im Raum auf der Grundlage der magnetischen Flussdichte oder verwandter physikalischer Größen, Anmeldetag 15. März 2005, erteilt am 15. August 2008
- Gutachten des IIREC zu Genesis Pro Life (PDF)
- Gutachten des IIREC zu Hexagonwasser (PDF)
- Gutachten des IIREC zu Top-Quant-Produkten (PDF)
- Gutachten des IIREC zu Vita Tronic (PDF)
- Webseite von IIREC zur Wasserforschung
- Website der IIREC Technologies Israel Ltd.
- Firmensitz IIREC Dr. Medinger e.U., Ringstraße 64, 3500 Krems an der Donau
- Zweitadresse IIREC Dr. Medinger e.U., Ottensheimer Straße 43/1, 4040 Linz
- Dokumentation des JFR-Feldformer (PDF)