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Udo Ulfkotte

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:34 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Udo Ulfkotte» angelegt/aktualisiert)
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Udo Ulfkotte galt als streitbarer Geheimdienst-Experte und vehementer Kritiker des Islam. Zwischen FAZ-Redaktion und Kopp-Verlag verband er Journalismus mit politischer Agenda – bis heute polarisiert sein Wirken.

Von der FAZ zum Kopp-Verlag: Karriere eines umstrittenen Journalisten

Von der FAZ zum Kopp-Verlag: Karriere eines umstrittenen Journalisten

Geboren am 20. Januar 1960, studierte Udo Ulfkotte Rechts- und Politikwissenschaften in Freiburg im Breisgau sowie in London. 1986 promovierte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Arbeit über den Nahen Osten und wechselte anschließend in die Außenpolitik-Ressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Bis 2003 schrieb er dort über Sicherheits- und Geheimdienstthemen, bevor er sich als freier Autor und Verleger betätigte. Nach eigenen Angaben verbrachte er zwischen 1986 und 1998 überwiegend in islamischen Ländern; ehemalige Kollegen bestreiten jedoch, dass er jemals einen festen Auslandsposten innehatte. Später lehrte er von 1999 bis 2008 Sicherheitsmanagement an der Universität Lüneburg und war Referent der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Seine publizistische Spur führte über mehrere Verlagshäuser bis hin zum Kopp-Verlag, der seine Bücher seit den 2000er-Jahren herausgab und mit dem er sich auch privat eng verbunden sah.

Bücher, Gerichtsverfahren und rechte Netzwerke

Bücher, Gerichtsverfahren und rechte Netzwerke

Ulfkotte veröffentlichte zahlreiche Sachbücher zu Themen wie Wirtschaftsspionage, Geheimdienste und Islamismus. Bereits 1996 war er für Shell im Niger-Delta aktiv und bezweifelte in Artikeln Umweltschäden durch die Ölindustrie, was ihm Kritik von Nichtregierungsorganisationen einbrachte. Sein 2003 erschienenes Buch „Der Krieg in unseren Städten“ musste nach einer einstweiligen Verfügung des Berliner Landgerichts kurzfristig vom Markt genommen werden, weil darin die Islamische Föderation als Landesverband der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş bezeichnet wurde. Im März 2004 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Frankfurt seine Räume; der Vorwurf der Bestechung von Beamten und Geheimnisverrats wurde 2005 fallengelassen. Ulfkotte war Mitglied im Marshall Memorial Fund der USA und im Planungsstab der Konrad-Adenauer-Stiftung, erhielt 2003 den Staatsbürgerlichen Preis der Annette-Barthelt-Stiftung und beriet 2015 die AfD zu Medienstrategien. Seine Reden führten ihn auf Veranstaltungen des Instituts für Staatspolitik, das vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall gilt, sowie auf Pegida-Bündnis-Kundgebungen wie „Bogida“ in Bonn 2014.

Islamkritik, Prozesslawinen und gezielte Falschmeldungen

Islamkritik, Prozesslawinen und gezielte Falschmeldungen

Zentrales Thema von Ulfkottes Publizistik war die Auseinandersetzung mit dem Islam. Er forderte die Ausweisung arbeitsloser Muslime, bezeichnete den Islam wiederholt als „bösartigen Virus“ und behauptete unter anderem, Menschen aus muslimischen Kulturkreisen hätten „die Aufgaben von Pest und Großfeuern“ übernommen. In seinem Buch „SOS Abendland“ diagnostizierte er einen niedrigeren Intelligenzquotienten bei Zuwanderern aus der Türkei und polemisierte gegen eine vermeintliche „neue Menschenrasse“ der „Multikulti-Primaten“. Solche Formeln zogen weitere Gerichtsverfahren nach sich, etwa wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung. Ulfkotte verbreitete zudem zahlreiche Falschmeldungen: So warnte er vor einem angeblich von Muslimen betriebenen „Fäkalien-Dschihad“, bei dem Erntehelfer mit EHEC-kontaminiertem Kot Gemüse verunreinigen würden, behauptete die Einführung getrennter Schuleingänge in Berlin oder das Verschwinden von Sparschweinen aus Bankfilialen. Auch die Meldung, der österreichische Alpenverein wolle Gipfelkreuze durch Halbmonde ersetzen, stellte sich als Falschmeldung heraus, die auf einen Satirebrief von 2006 zurückging.

Leben im Verborgenen, Facebook-Sperren und der Tod 2017

In seinen letzten Jahren gab Ulfkotte an, aus Sicherheitsgründen an einem „geheimen Ort“ auf einem „autarken“ Bauernhof mit eigener Wasserquelle und Stromversorgung zu leben; Kontaktadresse war ein Postfach in Wetzlar. Schutz sollten ein hoher Zaun und Gänse bieten, die bei Fremden schnattern. Im Juli 2016 beklagte er wiederholte Sperrungen seines Facebook-Auftritts nach der Ankündigung eines Buches über Straftaten von Migranten. Am 13. Januar 2017 starb Udo Ulfkotte mit 56 Jahren an einem Herzinfarkt, nachdem er zuvor bereits drei Herzinfarkte und eine Krebserkrankung überstanden hatte. Trotz der bekannten Vorerkrankungen entstanden unmittelbar nach seinem Tod im Internet Spekulationen über eine angebliche Ermordung. Sein publizistisches Erbe wird bis heute kontrovers diskutiert: Für Anhänger ist er ein Whistleblower, für Kritiker steht er für verschwörungstheoretische Hetze.

Weblinks

  1. Wikipedia-Eintrag zu Udo Ulfkotte
  2. Nachruf in der taz
  3. Faktencheck zu „Mekka Deutschland“ auf Meedia
  4. Bericht über Ulfkotte bei Belltower.news

Einzelnachweise

  1. Welt online: „Umstrittener Publizist Udo Ulfkotte gestorben“
  2. Spiegel online: „Udo Ulfkotte ist tot“
  3. Correctiv-Faktencheck zum angeblichen Gipfelhalbmond