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Braco

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 23:49 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Braco» angelegt/aktualisiert)
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Der Kroate Josip Grbavac bietet weltweit "Heilung durch Anblick" an. Tausende zahlen Eintritt, um ihn schweigend einige Minuten zu sehen. Geschäftlich läuft das Modell über Merchandise und Streaming-Gebühren.

Vom Ökonomen zum "gebenden Blick"

Vom Ökonomen zum "gebenden Blick"

Josip Grbavac, 1967 im Zagreber Stadtteil Srebrnjak geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete nach Abschluss seines Studiums in Versicherungen und im Handel. Seit Mitte der 1990er-Jahre präsentiert er sich unter dem Künstlernamen „Braco“ (serbokroatisch: „kleiner Bruder“) als spiriteller Begleiter. Er sieht sich selbst nicht als Heiler, sondern spricht von einem „gebenden Blick“, der einen Energiefluss auslösen und so Selbstheilungskräfte aktivieren könne. Nach eigenen Angaben reicht sein Schweigen und sein Anblick aus, um positive Veränderungen bei körperlichen und psychischen Beschwerden zu fördern. In seinem Zentrum in Zagreb empfängt er seit 1998 Besucher; seit 2002 tourt er regelmäßig durch Europa, Nordamerika und Asien. Dabei erscheint er stets in weißer Kleidung und ohne Mikrofon, spricht keine Ansprache und gibt keine individuellen Beratungen.

Ablauf und Besucherzahlen

Ablauf und Besucherzahlen

Interessenten erwerben zunächst Eintrittskarten oder sogenannte Verzehrbons, die zwischen fünf und zwanzig Euro kosten können. Anschließend unterschreiben sie eine Haftungsausschlusserklärung, in der sie bestätigen, dass die Begegnung mit Braco keinen Arztbesuch ersetzt und auf eigene Verantwortung erfolgt. In Gruppen von maximal 200 bis 300 Personen werden die Gäste in einen Veranstaltungsraum geführt, wo sie zunächst eine Videopräsentation sehen. Nach einer Wartezeit von bis zu mehreren Stunden betritt Braco für etwa drei Minuten den Raum, während die Besucher stehend verharren. Musik wird abgeschaltet, es herrscht völliges Schweigen. Anschließend verlässt er den Raum wieder, ohne Worte oder individuelle Kontaktaufnahme. Längere persönliche Gespräche finden nicht statt. Nach Schätzung der Welt zog Braco im Jahr 2015 etwa 250.000 Menschen allein bei seinen Live-Terminen an.

Netzwerke und wissenschaftliche Begleitung

Organisatorisch arbeitet Braco mit verschiedenen privaten Vereinen und Unternehmen zusammen. In Deutschland vertreibt der eingetragene Verein Sunce e. V. mit Sitz in Tensfeld, Schleswig-Holstein, Devotionalien und Medienprodukte. Für den nordamerikanischen Raum existiert die Firma Braco America LLC mit Hauptsitz in Kealakekua auf Hawaii. Mit dem „Bruno-Gröning-Freundeskreis“ pflegt Braco seit Jahren Kooperationen; Dieter Häusler, Sohn der früheren Gröning-Vertrauten Grete Häusler, organisierte 2011 einen Auftritt in München. Der 2014 verstorbene Schweizer Lehrer Alex Schneider, langjähriger Präsident der Basler Psi-Tage und Vorstandsmitglied der Schweizer Gesellschaft für Parapsychologie, bezeichnete Bracos Wirken als „nicht mit klassischer Alltagsphysik erklärbar“ und veröffentlichte das Buch „Braco – Die faszinierende Welt von Mythos und Wissenschaft“. Auch der kroatische Ingenieur Drago Plecko, der auf der Homepage als Wissenschaftler genannt wird, führte angeblich Frequenzmessungen an Wasser durch, das Braco „energetisiert“ habe. Eine Veröffentlichung der Messdaten in anerkannten Fachjournalen liegt bislang nicht vor.

Einnahmenströme und Kritik

Obwohl Braco für seinen persönlichen Auftritt laut Organisatoren kein Honorar kassiert, fließen Einnahmen über mehrere Kanäle. Neben Eintrittsgeldern werden Live-Streams auf der Homepage gegen Gebühr angeboten; DVDs, Bücher, Anhänger und Postkarten mit dem Motiv der „goldenen Sonne“ werden zu Preisen zwischen zehn und 150 Euro vertrieben. Bei einem Termin in Vahrn (Südtirol) zählten Beobachter 3.000 Besucher, die je fünf Euro Eintritt zahlten; für eine achtstündige Präsenz ergaben sich so mindestens 15.000 Euro, ohne Berücksichtigung des Merchandise-Verkaufs. In Esslingen kamen 2011 nach Bericht der Bild-Zeitung 4.000 Gäste; bei fünf Euro Eintritt beliefen sich die Einnahmen auf rund 20.000 Euro, während die Hallenmiete laut Recherche 1.890 Euro betrug. Kritiker werfen dem Konzept vor, dass die Wirksamkeit des „gebenden Blicks“ wissenschaftlich nicht belegt sei und dass Besucher durch langsame Abwicklung und suggestive Atmosphäre zusätzlich beeinflusst würden. Die Unterzeichnung des Haftungsausschlusses vor jedem Termin verhindere zudem rechtliche Schritte bei ausbleibenden Heilungserfolgen.

Weblinks

  1. Bericht über Braco in der Welt
  2. Blogbeitrag zu Einnahmen in Vahrn
  3. Bild-Zeitung zu Auftritt in Esslingen

Veröffentlichungen

  • Braco – Die faszinierende Welt von Mythos und Wissenschaft