Rayonex
Die Rayonex Biomedical GmbH aus dem sauerländischen Lennestadt vertreibt Geräte und Zubehör für die sogenannte Bioresonanztherapie nach Paul Schmidt. Das Unternehmen bietet neben Praxisgeräten auch Gegenstände zur „Elektrosmog-Abwehr“, zur „Wasserenergetisierung“ und zur „Biofeld-Formung“ an. Eine 2011 vorgelegte Zellkulturstudie des Fraunhofer-Instituts FEP Dresden berichtete über gesteigerte Stoffwechselaktivitäten; die wissenschaftliche Gemeinschaft ordnet die Methode weiterhin in den Bereich der Alternativmedizin ein.
Gründung und Unternehmensstruktur

1982 gründete der Diplom-Ingenieur Paul Schmidt (1922–1994) die Firma Rayonex Schwingungstechnik, aus der später die Rayonex Biomedical GmbH hervorging. Sitz ist seitdem Lennestadt im Hochsauerlandkreis. Nach Firmenangaben arbeiteten 2012 mehr als 50 Mitarbeitende in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Schulung. Neben der Kernsparte „Bioresonanz nach Paul Schmidt“ betreibt das Unternehmen mit der Paul-Schmidt-Akademie eine eigene Lehr- und Beratungseinrichtung, die Fortbildungen für Ärzte, Heilpraktiker und Baubiologen anbietet. Darüber hinaus gehört die Tochtergesellschaft Thyreogym GmbH zur Firmengruppe; sie vertreibt ein pulsierendes Magnetfeld-Gerät mit dem Ziel, die Schilddrüsenhormon-Produktion anzuregen.
Gerätekonzept der Bioresonanz nach Schmidt

Im Zentrum des Programms stehen die unter der Bezeichnung Rayocomp (früher Rayometer) vertriebenen Therapiegeräte. Anstelle klassischer Elektroden kommen textile Zubehörteile zum Einsatz: Metallfaden enthaltende Bänder, Kissen, Handschuhe, Hauben oder sogar Pferdedecken dienen als „Detektoren“. Die Geräte sollen über diese Kontaktflächen feine Schwingungen aufnehmen, verändern und dem Körper zurückgeben – allerdings wird explizit betont, dass es sich nicht um elektromagnetische oder mechanische Wellen handelt, sondern um „Schwingungen im Bereich der Bioenergien“, die sich mit herkömmlichen Messverfahren nicht erfassen ließen. Die daraus abgeleitete Therapie beansprucht, Störfelder zu harmonisieren und Regulationsprozesse zu unterstützen. Nach Unternehmensangaben wenden deutschlandweit etwa 4.500 Therapeutinnen und Therapeuten die Methode an. Für die Praxis stehen Software-Module bereit, die beispielsweise Einzelprogramme zur „Bakterien-Abwehr“ oder „Viren-Abwehr“ enthalten und eine schnelle Auswahl bei akuten Beschwerden ermöglichen sollen.
Zubehör und Spezialprodukte zwischen Resonanz und Esoterik

Neben den Hauptgeräten umfasst das Sortiment zusätzliche Hilfsmittel, deren Wirkungsweise auf eigenen physikalischen Vorstellungen beruht. Als „Filter“ bezeichnete Metallhülsen mit unterbrochener Leitung sollen die Übertragungsrichtung biophysikalischer Schwingungen festlegen und verhindern, dass „schädliche Informationen“ vom Patienten auf den Therapeuten übergehen. Ein als „Polarisator“ vertriebener Kasten leitet nach Herstellerangaben einen Gleichstrom von weniger als 1 µA durch eine ringförmige Drahtanordnung; das Gerät beansprucht, „feinstoffliche Schwingungen zu rotieren“ und damit eine stärkere Regulationskraft zu erzeugen. Für den Einsatz ohne Praxisgerät konstruierte „Rayonatoren“ sind handtellergroße Kunststoffbehälter mit verstellbaren Metallstäben. Sie enthalten werkseitig fest eingestellte Frequenzmuster und sollen etwa bei Allergien oder zur Chakra-Harmonisierung eingesetzt werden können. Ein weiteres Zubehör erlaubt das „Überschwingen“ von Substanzen, beispielsweise Eigenurin, um Informationen auf Trägermaterialien zu übertragen. Kritisch gesehen wird dabei, dass Begriffe wie Frequenz, Resonanz oder Polarisation in einem umgangssprachlichen Sinn verwendet werden, der mit den Definitionen der klassischen Physik nicht übereinstimmt.
Elektrosmog-Schutz, Wasseraktivierung und radionische Zusatzgeräte
Mehrere Kunststoffblöcke ohne elektrische Anschlüsse adressieren Verbraucher, die sich vor elektromagnetischen Umweltbelastungen schützen möchten. Der TV-Rayex richtet sich laut Datenblatt gegen ein angebliches „Interferenzdefizit 99,50“, das durch Fernsehgeräte oder Monitore entstehe; der Elo-Rayex beansprucht, auf sechs definierten „Resonanzstellen“ zwischen 22,5 und 99,5 zu wirken. Der Mini-Rayonex mit dem Frequenzwert 12,5 soll Belastungen durch Wasseradern neutralisieren und eine Reichweite von mehreren Metern besitzen; Herstellerangaben zufolge wurde dieses Produkt über 100.000-mal abgesetzt. Für die Hausinstallation wird der Duplex-Biofeldformer empfohlen, ein stabförmiger Körper aus Edelstahl oder Kupfer, der möglichst im Keller platziert wird. Zum Segment „Wasserenergetisierung“ zählt der Rayo-Aqua-Aktivator, ein Edelstahlrohr, das entweder in die Hauswasserleitung eingebaut oder als Tischgerät betrieben wird. Das Unternehmen beruft sich hierbei auf das populärwissenschaftliche Konzept der „Wasserinformation“ nach Masaru Emoto. Ergänzt wird das Programm durch den Rayotensor, eine einhändige Wünschelrute aus Stahldraht, mit der angeblich radiästhetische Messungen möglich sein sollen.
Studienergebnis des Fraunhofer-Instituts und wissenschaftliche Einordnung
Im Jahr 2011 untersuchte das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) in Dresden die Wirkung dreier Rayonex-Systeme (Rayocomp PS 1000, Rayocomp PS 10, Thyreogym) auf Zellkulturen. Mithilfe des Resazurin-Assays stellten die Autorinnen Christiane Wetzel, Susanne Klamke und Johanna Melke eine bis zu 8-prozentige Steigerung der Stoffwechselaktivität von Fibroblasten fest. Bei geschädigten Keratinozyten wurde im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle eine Zunahme der Zellteilung um bis zu 22 % (Thyreogym) bzw. über 40 % (PS 1000) beobachtet. Die finanzierende „Vereinigung zur Förderung der Schwingungsmedizin“ sowie die beteiligte externe Beratung durch Prof. Eberhard Mikus und Dr. Christiane Wetzel werden vom Hersteller offen genannt. Fachöffentlich unabhängig replizierte Arbeiten liegen bislang nicht vor. Die überwiegende Mehrheit der akademischen Mediziner ordnet Bioresonanzverfahren trotz einzelner Laborbeobachtungen weiterhin der komplementären und alternativen Medizin zu, da randomisierte klinische Studien mit belastbaren Endpunkten fehlen. Die Begründung der Methode bleibt somit Gegenstand kontroverser Diskussion zwischen Anwendern, Nutzern und der evidenzbasierten Fachwelt.
Weblinks
- Satirische Produktvorstellung durch die Bamberger Skeptiker mit Abbildungen älterer Rayonex-Geräte
- Französischer Ableger Rayonex France mit landesspezifischem Produktüberblick
Veröffentlichungen
Einzelnachweise
- Offenlegungsschrift DE 4010240 A1: Resonator für hohe Frequenzen, Anmeldetag 30. März 1990
- DPMA-Registernummer 30403232: Wortmarke „Bioresonanz Paul Schmidt“, eingetragen am 25. April 2005
- Offenlegungsschrift DE 19735652 A1: Filter für biophysikalische Resonanzschwingungen, Anmeldetag 16. August 1997
- Offenlegungsschrift DE 102004001946 A1: Polarisationsvorrichtung für ein Bioresonanzgerät, Anmeldetag 13. Januar 2004