Michael Hinz
Der Stuttgarter Scientologe Michael Hinz verbindet über Jahre diverse Milieus: von Hubbard-Anhängern über Impfgegner bis in die rechtsextreme Presselandschaft. Verfassungsschutzberichte dokumentieren die systematische Nutzung von Gesundheits- und Verschwörungsthemen als Anwerbeplattform.
Zwischen Pseudonym und Öffentlichkeit: Die Person

Michael Hinz, der sich auch Michael Kent nennt, ist seit den 1990er-Jahren als Sachbuchautor und Aktivist in der deutschsprachigen Szene um Scientology aktiv. Er betreibt die Website „Psychopolitik“, hält Vorträge und gibt die „Kent-Depesche“ heraus, ein periodisches Printmedium, das sich mit alternativer Medizin, Gesundheitspolitik und verschwörungstheoretischen Themen beschäftigt. Die Publikation erscheint im Eigenverlag seiner Ehefrau Sabine Hinz, der unter dem Label „Sabine Hinz Verlag“ zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetikprodukte und Schriften von L. Ron Hubbard vertreibt. Über Jahre hinweg gelang es dem Paar, ein weit verzweigtes Netzwerk aufzubauen, das quer durch esoterische, gesundheitsbezogene und politische Szenen reicht. Dabei kooperiert Hinz wiederholt mit bekannten Impfgegnern, Autoren aus der verschwörungstheoretischen Ecke sowie Aktivisten, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
Verfassungsschutz und „Neue Impulse“: Beobachtete Anwerbestrategien
Bereits der Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2005 widmete dem Umfeld um Michael und Sabine Hinz ein eigenes Kapitel. Demnach nutzen mehrere Scientology-Anhänger aus dem Raum Stuttgart das Netzwerk „Neue Impulse“, das sich überwiegend mit Alternativmedizin und Gesundheitsthemen präsentiert, um Kontakte zu knüpfen und im Anschluss für die Scientology-Organisation zu werben. Zentrales Instrument sei dabei die „Kent-Depesche“ gewesen, die unter dem Titel „Mehr wissen besser leben“ erscheint und über regionale Verteilstellen sowie Internetforen verbreitet wurde. Die Ausgaben enthalten laut Verfassungsschutz nicht nur Beiträge zu alternativen Heilmethoden, sondern auch Links zu rechtsextremistischen Publikationen, darunter die „Unabhängigen Nachrichten“. Die Berichte stufen die Aktivitäten als „Anwerbeversuche“ ein und betonen, dass die Verbindung in das rechtsextreme Milieu dokumentiert sei. Der Neue-Impulse-Treff selbst stand wiederholt auf der Liste der beobachteten Gruppierungen, weil er als Schnittstelle zwischen Esoterik- und Rechtsszene fungiert.
Zitate
Was mich persönlich betrifft, waren hier die Schriften und Entdeckungen von L. Ron Hubbard mein entscheidender Meilenstein, um Schritt für Schritt meinen eigenen Ariadnefaden aus dem Labyrinth des Tollhauses Erde bzw. mich selbst wieder zu finden. — Michael Hinz in der Kent-Depesche
Weblinks
- Verfassungsschutz Baden-Württemberg: Jahresbericht 2005
- Projekt „Dorf im Jetzt“ – Protektorenliste
- Verein „besser leben Film“ – Kontaktseite
Veröffentlichungen
- Psychopolitik II – Heft, Ende 1990er
- Mehr wissen besser leben (Kent-Depesche)
- Tagungsband „Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit“