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Miracle Mineral Supplement

Aus Faktenradar
Version vom 10. Mai 2026, 21:22 Uhr von Faktenradar Redakteur (Diskussion | Beiträge) (Artikel «Miracle Mineral Supplement» angelegt/aktualisiert)
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Produkte mit dem Kürzel MMS enthalten Natriumchlorit und freisetzbares Chlordioxid. Sie werden als vermeintliches Universalheilmittel beworben, obwohl weder Wirksamkeit noch Unbedenklichkeit belegt sind. Behörden warnen seit Jahren vor schweren gesundheitlichen Schäden.

Inhaltsstoffe und Reaktionsverhalten

Inhaltsstoffe und Reaktionsverhalten

MMS steht für „Miracle Mineral Supplement“, ein Präparat, das weltweit über Internet-Shops und Versandhandel vertrieben wird. Die Flüssigkeit enthält meist 25–28 % Natriumchlorit (NaClO₂). Erst nach dem Mischen mit einer Säure – häufig Zitronen- oder Salzsäure – entsteht das gasförmige Chlordioxid (ClO₂), ein starkes Oxidationsmittel. Die gelbe Färbung der Lösung zeigt an, dass das Biozid gebildet wurde. Chlordioxid löst sich gut in Wasser, reagiert jedoch mit zahlreichen organischen Substanzen und wird in der Papierindustrie zum Bleichen sowie zur Desinfektion von Leitungswasser verwendet. Die für die Trinkwasseraufbereitung erlaubte Höchstkonzentration liegt in Deutschland bei 0,2 mg je Liter; in selbst hergestellten MMS-Getränken können sich mehrere Tausend Mal höhere Gehalte finden. Restmengen an nicht umgesetztem Natriumchlorit bleiben zusätzlich in der Mischung und gelangen auf diesem Weg in den Körper.

Wirkungsbehauptungen und wissenschaftlicher Befund

Wirkungsbehauptungen und wissenschaftlicher Befund

Der ehemalige US-amerikanische Ingenieur Jim Humble verbreitete ab 2006 das Konzept, durch gezielte Gabe von Chlordioxid nahezu alle Krankheiten – von Malaria bis Krebs – bekämpfen zu können. In Büchern, Videos und Seminaren behauptete er, das Mittel erkenne schädliche Erreger und schone gleichzeitig nützliche Bakterien. Dabei berief er sich auf angeblich erfolgreiche Behandlungen in Gefängnissen Afrikas, ohne belastbare Studien oder publizierte Daten vorzulegen. Eine systematische Überprüfung der Literatur ergibt keinen einzigen validen Nachweis für eine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen. Kleine Laborstudien belegen zwar die keimtötende Wirkung von Chlordioxid auf Oberflächen und in Wasser, doch lassen sich diese Befunde nicht auf den menschlichen Organismus übertragen. Die These, nur anaerobe Keime würden geschädigt, widerspricht zudem biologischen Grundlagen: Der größte Teil der physiologischen Darmflora besteht aus fakultativ oder strikt anaeroben Bakterien. Würde MMS dort tatsächlich oxidativ wirken, stünde eine massive Störung der Mikrobiota zu erwarten.

Weblinks

  1. Medwatch-Check: Darum sind Chlordioxid und MMS gefährlich
  2. ARD Quarks: Bleichmittel als Wundermittel – gefährliche Esoterik
  3. Verbraucherzentrale: Erhebliche Gesundheitsgefahr durch Miracle Mineral Supplement
  4. Medizin Transparent: MMS – das gefährliche „Wundermittel“

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. BfArM-Pressemitteilung 3/15 vom 26. Februar 2015
  2. Stellungnahme Nr. 025/2012 des BfR vom 2. Juli 2012