Robert Stein
Der Münchner Robert Stein war Luftwaffe-Pilot, arbeitet seit 2016 für das ZDF und verbreitet parallel in Vorträgen und Videos zahlreiche Verschwörungstheorien. Eine Analyse seines Werdegangs und seiner Aktivitäten.
Vom Transall-Piloten zum Medienproduzenten

Robert Stein, 1970 in Dillingen an der Donau als Robert Spengler geboren, brach das Gymnasium ab und absolvierte eine Ausbildung zum Funkelektroniker. Anschließend wurde er Transall-Pilot und später Ausbilder an der Offiziersschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. Nach eigenen Angaben verließ er den Dienst aus gesundheitlichen Gründen; der Schweizer Sektengründer Ivo Sasek behauptete hingegen 2012, Stein habe sich wegen „Medienlügen“ zum Kosovo-Krieg aus der Bundeswehr verabschiedet. Nach dem Ausscheiden qualifizierte sich Stein im audiovisuellen Bereich und trat seit 1999 regelmäßig als Referent auf, unter anderem im Bonner Albert-Schweitzer-Haus. Seit 2016 ist er hauptberuflich als freier Mitarbeiter für das ZDF tätig – unter anderem als Kameramann, Cutter und Drohnenpilot –, während er parallel dazu seine eigenen Medienprojekte betreibt.
Stein-Zeit TV und die Vernetzung in der Szene

Stein gründete die Plattform „Stein-Zeit TV“, die heute auf das Portal NuoViso (früher NuoFlix) weiterleitet. Dort veröffentlicht er Interviews und Vorträge, in denen er sich unter dem Selbstbild eines „Aufklärungspraktikers“ mit Themen wie angeblich gefälschten Mondlandungen, angeblichen Kornkreisen oder der „Neuen Weltordnung“ beschäftigt. Zu seinen Gesprächspartnern zählen wiederholte Personen aus dem verschwörungstheoretischen Milieu: der ehemalige Lehrer Nikolai Nerling, der 2018 wegen Holocaustleugnung zu einer Geldstrafe verurteilt wurde; der Heilpraktiker Hans Kempe, der ein Gerät namens „Geno62“ gegen angeblich durch Satelliten verursachten Elektrosmog bewirbt; oder der Aktivist Peter Haisenko, der den Abschuss von Flug MH17 auf eine geheime Komplott hindeutet. Auch Beiträge über angeblich unterdrückte „Freie-Energie“-Technologien oder die These, das World Trade Center sei 2001 durch eine Atombombe zerstört worden, finden sich im Programm.
Klimawandel-Leugnung und „No-Plane“-These

Stein bezeichnet den menschengemachten Klimawandel wiederholt als „Klimaschwindel“ und beruft sich dabei auf Arbeiten des russischen Materialwissenschaftlers Jewgeni Podkletnow, der angeblich eine Gewichtsreduktion über rotierende Supraleiter beobachtet habe. Unabhängige Wissenschaftler konnten diesen Effekt bisher nicht reproduzieren. Auch zu den Anschlägen des 11. September 2001 vertritt Stein die sogenannte „No-Plane-Theory“, wonach keine Flugzeuge in die Türme des World Trade Center geflogen seien, sondern „farbig angemalte Marschflugkörper“. Diese Behauptung steht im Widerspruch zu zahlreichen Videoaufnahmen und Augenzeugenberichten. Zudem verbreitet Stein die seit Jahrzehnten widerlegte These, die Apollo-Mondlandungen seien in einem Filmstudio inszeniert worden.
Kritik an öffentlich-rechtlichen Medien trotz eigener Tätigkeit
In Vorträgen und Videos wirft Stein den öffentlich-rechtlichen Sendern systematische Desinformation vor. In einem 2014 erschienenen Beitrag sprach er von einem „Lügenkartell der Massenmedien“ und behauptete, das Publikum werde „in eine reale Kriegsgefahr gelogen“. Gleichzeitig arbeitet er seit 2016 regelmäßig für das ZDF, wie das Magazin „Drehscheibe“ im September 2017 offenlegte. Das ZDF erklärte, man habe von seinen Internetaktivitäten nichts gewusst. Stein selbst rechtfertigte die Tätigkeit als finanziell notwendig. Aus der Truther-Szene folgte heftige Kritik, da er mit seinen GEZ-Beiträgen genau die Gebühren mitverdienen soll, die er öffentlich ablehnt. Die Plattform NuoViso bezeichnete seinen Job später als „Experiment“, um zu testen, ob ein Mainstream-Sender Kritiker beschäftige.
Auftritte bei umstrittenen Veranstaltungen
Stein trat wiederholt auf Kongressen auf, die unter Beobachtung von Verfassungsschutzbehörden stehen. 2015 moderierte er den Spirit-of-Health-Kongress in Kassel, auf dem das gesundheitsschädliche „Wundermittel“ MMS propagiert wurde. Während der Corona-Pandemie gab er an, Chlordioxid – eine nicht zugelassene Chemikalie – eingenommen zu haben. 2024 nahm er am A-WEF-Kongress in Prag teil, organisiert vom rechtspopulistischen Portal AUF1 TV. Dort sprachen unter anderem der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner und der Verschwörungstheoretiker Kayvan Soufi-Siavash. Auch bei sogenannten „Antizensur-Konferenzen“ des Schweizer Sektenführers Ivo Sasek war Stein wiederholt als Redner gelistet.
Quellenkritik und historische Falschbehauptungen
In seinen Vorträgen greift Stein regelmäßig auf Publikationen des Osiris-Buchversands oder der „Kent-Depesche“ des Scientologen Michael Hinz zurück. 2004 behauptete er, Adolf Hitler sei „von der Hochfinanz und der Wall Street“ finanziert worden, und erweckte dabei den Eindruck, Deutschland sei in den Zweiten Weltkrieg hineingetrieben worden. Historiker weisen eine derart pauschale Verkürzung zurück. Ebenfalls wiederholt Stein die irrtümliche These, der Begriff „Verschwörungstheorie“ sei 1967 von der CIA geprägt worden, um Kritik an der offiziellen Ermordungsversion John F. Kennedys zu diskreditieren. Tatsächlich findet sich das Wort bereits 1870 in der englischen Sprache und 1787 auf Deutsch. Solche Fehlbehauptungen verbreiten auch der russische Sender RT Deutsch sowie Aktivisten wie Markus Fiedler und Rainer Mausfeld.
Weblinks
- Geord Renner: Gusenbauer und die Weltverschwörung – Kongress der „Grenzwissenschaftler“ mit antisemitischer Schlagseite in Wien, Die Presse, 16.03.2008
- Dokumentation 6. Kongress für Grenzwissen in Regen
- Robert Spengler: Eine Reise in die wunderbare Welt der Kornkreise (PDF)
Einzelnachweise
- N. Li u. a.: Static test for a gravitational force coupled to type II YBCO superconductors, Physica C 281 (1997), S. 260–267
- C. Woods: Gravity Modification by High Temperature Superconductors, AIAA 2001-3363
- G. Hathaway u. a.: Gravity modification experiment using a rotating superconducting disk, Physica C 385 (2003), S. 488–500
- Vice-Bericht „Mein Vater, der bekannte Verschwörungstheoretiker“
- Urteil gegen Nikolai Nerling wegen Holocaustleugnung, Amtsgericht Dachau
- Wissenschaftlicher Konsens zum Klimawandel – Wikipedia-Übersicht