Mark Hegewald
Der 1972 in Halle geborene Medienwissenschaftler betreibt von Tschechien aus das Projekt „Markmobil“ und verbreitet Reisevideos sowie Positionen, die vielfach auf Kritik stoßen. Seine Inhalte kreisen um alternative Geschichtsbilder, geopolitische Thesen und Ablehnung westlicher Medien.
Karrierebeginn in deutschen Medien und Wissenschaft

Mark Hegewald studierte nach dem Abitur in Sachsen Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Bereits während des Studiums arbeitete er als Sprecher für verschiedene Radiosender, später wechselte er ins Berchtesgadener Land und nahm eine Tätigkeit an der Universität Salzburg wahr. Nach eigenen Angaben verlor er dort einen Lehrauftrag, weil er „kritische Ansichten“ vertreten und sich durch „Nähe zu Russland“ hervorgetan habe. Neben seiner radiophonen Tätigkeit veröffentlichte er mehrere kleinere Arbeiten über den GRIN-Verlag, die seine universitäre Auseinandersetzung mit Medienthemen dokumentieren. In den 2000er-Jahren wurde er zudem mehrere Jahre lang als offizieller Weihnachtsmann des Leipziger Weihnachtsmarkts gebucht, eine Rolle, die er laut Presseberichten bis etwa 2014 ausfüllte und die ihn einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte.
YouTube-Kanal „Markmobil“ und Osteuropa-Reisen

Seit 2006 stellt Hegewald Videos auf der Plattform YouTube ein, 2018 entstand die Reihe „Markmobil“, in der er mit einem Wohnmobil durch Russland, die Ukraine, Weißrussland, den Südkaukasus und den Iran reiste. Die Clips zeigen Alltagsbeobachtungen, Interviews mit Einheimischen und Reflexionen über Geschichte und Politik. Finanziert wird das Projekt nach eigenen Angaben durch Spenden. Im Februar 2022 kündigte er überraschend ein „endgültiges“ Aus aus Sicherheitsgründen an, fuhr jedoch bereits Ende April von Tschechien aus weiter. Seitdem veröffentlicht er fast täglich Kurzbeiträge, in denen er die russische Sicht auf den Krieg gegen die Ukraine vertritt und die territoriale Integrität der Ukraine in Frage stellt. Dabei bedient er sich einer einfachen, oft kindgerecht wirkenden Sprache, die bei Zuschauern polarisiert: Die einen loben die „verständliche Erklärkunst“, andere werfen ihm plakatives Storytelling und das Ausblenden komplexer Zusammenhänge vor.
Kooperation mit NuoViso und Recherche ohne Akkreditierung

Bereits 2018 trat Hegewald als „Crewmitglied“ des alternativen Portals NuoViso auf, das sich selbst als „unabhängiges Fernsehen“ versteht. Ohne offizielle Journalistenakkreditierung reiste er mit einem über eine Agentur beschafften Geschäftsvisum durch Russland und stellte sich lokalen Gesprächspartnern als „Fernsehjournalist aus Deutschland“ vor. Ausländische Medienvertreter benötigen in der Russischen Föderation normalerweise eine Akkreditierung beim Außenministerium, was Hegewald umging. In seinen Reiseberichten pries er wiederholt die russische Pressefreiheit, behauptete, dort gebe es „keine Propaganda“, und verwies auf die geringere Zahl getöteter Journalisten im Vergleich zu Europa. Dabei blendete er aus, dass Reporter ohne Grenzen Russland 2019 auf Platz 149 von 180 Ländern bezüglich Pressefreiheit einstufte, während Deutschland Rang 16 belegte. Auch die Morde an mindestens vier russischen Journalisten im Jahr 2018, die sich mit Korruption oder geheimen Söldnergruppen beschäftigten, erwähnte er nicht.
Verschwörungstheorien und Kritik an westlichen Institutionen
Hegewald verbreitet seit Jahren Thesen, die sich in der sogenannten Truther-Szene großer Beliebtheit erfreuen. Dazu zählt die Behauptung, die Bundesrepublik sei kein souveräner Staat, sondern stehe „unter amerikanischer Besatzung“. Das Grundgesetz habe seit der Wiedervereinigung keinen Geltungsbereich mehr, weil dessen Geltungsanweisung nur in der Präambel stehe. Er bestreitet den menschengemachten Klimawandel und spricht von einer „Klimaschwindel“-Agenda. In Videos mischt er Reiseeindrücke mit Spekulationen über „tiefe Staats“-Strukturen, die angeblich über Kondensstreifen Photovoltaikanlagen in Westeuropa unwirtschaftlich machen wollten. Für diese Theorie präsentiert er keine wissenschaftlichen Belege, sondern stützt sich auf persönliche Beobachtungen von blauem Himmel in Russland und Armenien. Auch die von Georgien betriebene Einrichtung Lugar Center für Infektionsforschung bezeichnete er wiederholt als „Labor des Todes“, ohne seriöse Nachweise für Menschenversuche oder Biowaffenforschung zu liefern. Stattdessen berief er sich auf den ehemaligen KGB-Offizier Igor Giorgadse, der seit 1995 wegen eines Attentats auf den georgischen Präsidenten mit Haftbefehl gesucht wird.
Ablehnung repräsentativer Demokratie und Umgang mit Kritik
Bei den US-Kongresswahlen 2022 veröffentlichte Hegewald auf seinem Telegram-Kanal ein Video, in dem er die Demokratie als Herrschaftsform grundsätzlich infrage stellte. „Adolf Hitler war Demokratie“, zitierte er und forderte Zuschauer auf, sich von „Schwätzern“ zu lösen und „fundierteren Boden“ zu suchen. 250 Jahre Demokratie seien genug gewesen, so seine Rechnung. Diese Äußerung löste unter Beobachtern heftige Diskussionen aus, da sie geschichtliche Zusammenhänge verkürzt und demokratische Prozesse pauschal diskreditiert. Kritik an seinen Inhalten wertet Hegewald regelmäßig als „Zensur“ und „Manipulation“ durch Plattformen wie YouTube. Er behauptet, Abrufzahlen würden systematisch gesenkt und positive Bewertungen gelöscht. Seine Anhänger animiert er deshalb, Videos wiederholt zu liken, um Algorithmen zu „tricken“. Auch die deutschsprachige Wikipedia sieht er als „feindliches Projekt“, nachdem er 2017 wegen Drohungen gegen andere Autoren gesperrt wurde. Seitdem wirbt er für alternative Lexika wie „Wikihausen“ und sieht sich selbst als Opfer einer „Meinungsdiktatur“.
Weblinks
- Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit 2019
- Benutzer-Diskussion des Wikipedia-Accounts MARKmobil