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Franz Konz

Aus Faktenradar
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Franz Konz prägte mit radikalen Ernährungsthesen und Bestsellern zu Steuertricks zwei Jahrzehnte. Seine Lehre von der „Urkost“ polarisiert bis heute, nachdem ein Kind unter veganer Extremdiät starb und Gerichte wegen Steuerdelikten und Körperverletzung verhandelten.

Vom Steuerinspektor zum Ratgeber-Autor

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Geboren 1926 in Köln, absolvierte Franz Konz zunächst eine Ausbildung beim Finanzamt und arbeitete als Steuerinspektor. Bereits in den 1950er-Jahren geriet er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt: Wegen Beleidigung von Beamten, Steuerhinterziehung und Anstiftung dazu wurde er 1958 zu 13 Monaten Haft verurteilt. Auch Ladendiebstähle führten mindestens 15 weitere Verfahren gegen ihn. Nach seiner Entlassung schlug er den Weg in die Ratgeber-Literatur ein. Unter dem Titel „1000 ganz legale Steuertricks“ veröffentlichte er ab den 1980er-Jahren Bücher, die sich millionenfach verkauften und ihn zum „Popstar unter den Steuerratgebern“ machten. Ob Konz die späteren Auflagen noch selbst verfasste, ist offen; interne Mitarbeiter übernahmen zunehmend die Aktualisierung.

Gründung des BfG und die Geburt der „Urkost“

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Parallel zur Steuerberatung entwickelte Konz ein immer elaborierteres Gesundheitskonzept. 1990 gründete er den „Bund für Gesundheit e. V.“ (BfG) und propagierte eine rohköstliche Ernährung, die er später „Urkost“ nannte. Als „erste evolutionsgeschichtlich basierte Gesundheitslehre“ bewarb er eine radikale Pflanzenkost ohne Getreide, Milch und erhitzte Speisen. Medizinisches Fachwesen besaß er nicht; seine Autorität bezog er ausschließlich aus eigener Betroffenheit: In den 1960er-Jahren war bei ihm Magenkrebs diagnostiziert worden. Ohne Operation oder Chemotherapie, so seine Darstellung, habe er sich durch Rohkost selbst geheilt. Diese Erfahrung mündete 1995 in das Buch „Der große Gesundheits-Konz“, das wegen widersprüchlicher Kapitel zunächst keinen Verlag fand. Laut Presseberichten gelangte es 1996 über den Ullstein-Verlag in den Handel, nachdem Konz mit dem gleichen Haus bereits einen Steuer-Ratgeber platziert hatte. Inzwischen erscheint das Werk im Kopp-Verlag, der sich auf Esoterik und Verschwörungstheorien spezialisiert hat.

Zitate

Vielleicht war der Tod ja von Gott bestimmt. … Die Eltern werden jetzt anscheinend dafür verurteilt, dass sie ihr Kind gesund ernährten. — B.Z., 19. November 2004, zum Todesfall Leon

Falls es AIDS überhaupt gäbe, so würde dies nur eine neue Antwort der Natur auf widernatürliche Lebensweisen darstellen. — Der große Gesundheits-Konz, 4. Aufl., Kapitel 4.83

Wer Krebs überstand, hatte keinen echten Krebs – denn den überlebt niemand. — Vereinszeitschrift „Natürlich leben“ 4/2007, S. 12

Weblinks

  1. Franz Konz – Wikipedia
  2. Bericht über Leberkäse-Videos (Psiram-Blog, 24. 8. 2012)
  3. Kölner Stadtanzeiger: Prozess wegen Körperverletzung (14. 12. 2012)
  4. Spiegel Online: Bewährungsstrafen für Veganer-Eltern (17. 11. 2004)

Veröffentlichungen

  • Der große Gesundheits-Konz
  • 1000 ganz legale Steuertricks

Einzelnachweise

  1. Die Zeit, 4. April 1997: Porträt „Franz Konz, der Popstar unter den Steuerratgebern“
  2. Spiegel Online, 14. Dezember 2012: „Bestseller-Autor Franz Konz vor Gericht“