GeoWave-Welle
Ein wellenförmiges Aluminiumblech verspricht Schutz vor Erdstrahlen und Elektrosmog. Hersteller behaupten positive Effekte auf Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden. Doch was steckt hinter dem Produkt, das in österreichischen Krankenhäusern installiert und später wieder entfernt wurde?
Produkt und Verbreitung

Die GeoWave-Welle ist eine Deckendekoration aus Wellblech, die von der Salzburger Firma Geowave-Research Forschung und Handel GmbH vertrieben wird. Das Unternehmen gehört laut Firmenbuch zu 90 Prozent dem Steuerberater Walter Antosch. Die Adresse des Unternehmens ist identisch mit der des privaten „Instituts für Grenzfragen des Lebens“ des Biologen Gerhard W. Hacker. Dieses Institut ist ebenfalls in Hallein bei Salzburg ansässig und war an mehreren Studien beteiligt, die die Wirksamkeit der Welle untersuchen sollten. In größerer Stückzahl wurde das Produkt auch von der Firma HESA GmbH aus Hallwang vertrieben, die sich unter dem Namen „Energiezentrum Goldburg“ präsentierte. Nach wiederholter öffentlicher Kritik meldete diese Firma im Mai 2012 Konkurs an. Der Erfinder der Welle, Adolf Wiebecke, vertreibt das Produkt heute über seine Firma Geonado unter dem Namen „Geonado-Welle“. In Österreich scheint aktuell die Firma „Power of Life“ den Generalvertrieb zu haben. Geschäftsführer ist Roman Forsthofer, der auch mit der Unternehmensgruppe „Euro Success MLM“ in Verbindung gebracht wird. Gegen diese Gruppe ermittelte die Staatsanwaltschaft. Zwischenzeitlich lag die Geschäftsführung der Geowave Research GmbH bei Michaela Fuchsberger, die auch die Firma „energy and more“ betreibt, die ebenfalls die Wellen anbietet.
Technische Beschreibung und Preise

Die Welle besteht aus Aluminium-Wellblech mit einem Wellenabstand von etwa drei Zentimetern und einer Wellenhöhe von einem Zentimeter. Das Blech ist in Form eines unsymmetrischen Ovals geschnitten, wobei das Verhältnis der beiden Radien dem goldenen Schnitt von etwa 1,618 entsprechen soll. Das Gebilde ist nicht flach, sondern selbst wellenförmig geformt. Es gibt verschiedene Größen. Das Modell B mit 57 mal 35 Zentimetern und einem angeblichen Wirkungskreis von zwölf Metern kostet knapp 1.000 Euro. Ausführungen mit Chrom- oder Goldoberfläche sind etwa 15 Prozent teurer. Laut einer Dissertation an der Universität Zürich soll die Welle zusätzlich über einen „Speicherchip“ verfügen, der mit Nosodentechnologie und harmonisierenden NFSpektren beladen sei. Details zu diesem Chip werden nicht offengelegt.
Behauptete Wirkungen und Anwendungsgebiete

Der Hersteller behauptet, die „High-Tech-Konstruktion“ könne belastende Felder aus der Natur ausgleichen. Gemeint sind sogenannte geopathische Störzonen, also Erdstrahlen, die in der wissenschaftlichen Literatur nicht anerkannt sind. Auch gegen Elektrosmog sei die Welle wirksam. Als Folgen des Erwerbs werden genannt: gesunder Schlaf, beschleunigte Genesung, mehr Konzentration und Erfolg, gesteigerte Leistung am Arbeitsplatz, mehr Erholung zu Hause, verbessertes Wohlbefinden, bessere sportliche Leistungen sowie Wirkungen gegen vorzeitiges Altern. Die Wirkung soll sich bis in vier Stockwerke unterhalb des Anbringungsortes erstrecken. Besonders wird auch der Einsatz im Kinderzimmer empfohlen. Schulstress lasse sich leichter abbauen, heißt es. Auch Einflüsse auf Essverhalten, Sozialverhalten, Aggressionen und Vandalismus werden behauptet. In österreichischen Krankenhäusern wurden laut dem ehemaligen ärztlichen Direktor Gernot Pauser über 150 Wellen montiert. Auch in Kuhställen in Oklahoma soll die Welle die Gesundheit der Kühe verbessert und die Milchleistung innerhalb von 70 Tagen um über 50 Prozent erhöht haben. Belege für einen kausalen Zusammenhang werden nicht vorgelegt. Eine Auszeichnung als „Agricultural Product of the Year 2010“ durch die Universität Wisconsin wird in der Werbung erwähnt, lässt sich jedoch nicht bestätigen.
Wissenschaftliche Überprüfung und Kritik
Die Wirksamkeit der Welle wurde in mehreren Untersuchungen geprüft, die methodisch jedoch stark kritisiert werden. So wird etwa mit der Gasentladungsvisualisationstechnik (GDV) argumentiert, einer Weiterentwicklung der Kirlian-Fotografie. Dabei habe die Welle zu einer Vergrößerung einer „area of glow“ geführt. Auch die Herzfrequenzvariabilität wurde herangezogen. Allerdings wurden die vermeintlichen „geopathogenen Zonen“ zuvor von „professionellen Wünschelrutengängern“ identifiziert. Eine Studie des Salzburger Instituts für Sportmedizin aus dem Jahr 2003 ging von der Existenz solcher Zonen aus und wollte deren Lage mit Wünschelrute, Kinesiologie und Holopathie ermitteln. Tatsächlich kam sie zu dem Ergebnis, dass diese Zonen keinen Einfluss auf die Probanden hatten und folglich die Welle ebenfalls keine Wirkung zeigte. Der Biologe Gerhard W. Hacker war an mehreren dieser Studien beteiligt und betreute auch eine Dissertation an der Universität Zürich, die der Welle einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und Milchleistung von Kühen bescheinigt. Die Arbeit enthält zahlreiche pseudowissenschaftliche Aussagen. So werden geopathische Störzonen und Meridiane der Traditionellen Chinesischen Medizin unkritisch als Tatsache behandelt. Auch die Kinesiologie und Radiästhesie werden als wissenschaftliche Methoden dargestellt. Die Arbeiterkammer warnte wiederholt vor dem Produkt. Eine Überprüfung an der Technischen Universität Graz ergab keinerlei Wirkung. Nach Berichten über fragwürdige Haustürgeschäfte in Vorarlberg meldeten sich zahlreiche unzufriedene Kunden. Die HESA GmbH gab an, dass ihr Kunden „in Scharen abgesprungen“ seien. Schulden in Höhe von 2,1 Millionen Euro führten 2012 zur Eröffnung des Konkursverfahrens.
Weitere Produkte und Patente
Neben der Welle bietet Geowave weitere Produkte an. Der „Geospring Wasseraktivierer“ soll durch Verwirbelung, Magnete und Informationsträger Leitungswasser „energetisieren“. Ein Aufkleber namens „Holosave“ für Mobiltelefone behauptet, gesundheitsschädliche Wirkungen von Mobilfunkstrahlung zu neutralisieren. Auch ein „Geonado Energy Chip“ wird vertrieben, in dem „Schwingungen“ von „Kraftplätzen“ gespeichert sein sollen. Adolf Wiebecke hielt mehrere Patente und Gebrauchsmuster. 2009 erhielt er einen Gebrauchsmusterschutz für eine Welle mit eingebauten Leuchtdioden für die Lichttherapie. 2011 folgte ein Patent für eine Vorrichtung zur Beeinflussung des Erdmagnetfeldes mit wellenförmiger Struktur. Auch ein Schuh mit elektrisch leitfähiger Sohle und Magnet am Nieren-Meridian wurde entwickelt. Eine Heizkörper-ähnliche Vorrichtung, die von „energetisiertem“ Wasser durchflossen wird, soll schädliche Strahlungen beeinflussen. Die meisten dieser Produkte wurden nicht breit kommerzialisiert.
Weblinks
- Bericht im Standard über die Entfernung der Wellen aus Krankenhäusern
- ORF-Bericht zum Konkurs der HESA GmbH
- ORF-Bericht über Proteste vor der Arbeiterkammer
Veröffentlichungen
- Hacker GW et al.: Biomedical evidence of influence of geopathic zones on the human body. Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd. 2005
- Aigner A et al.: Leistungsfähigkeit, Herzfrequenz und arterielle Laktatkonzentration während einer Fahrradergometrie. Österreichisches Journal für Sportmedizin 2004
- Furter LM: Geopathische Störzonen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit von Milchkühen. Dissertation Universität Zürich 2010
Einzelnachweise
- Die Arbeiterkammer warnte mehrfach vor unseriösen Geschäftspraktiken und wies auf fehlende wissenschaftliche Belege hin.
- Eine Überprüfung an der Technischen Universität Graz konnte keine messbare Wirkung der Welle feststellen.