Johann Grander
Der Tiroler Johann Grander verkaufte Geräte und Flaschen mit „belebtem“ Wasser, das angeblich ohne direkten Kontakt andere Wasser positiv beeinflussen kann. Wissenschaftliche Nachweise blieben aus, Gerichte sprachen von „esoterischem Unfug“, das Geschäft lief dennoch jahrzehntelang.
Vom Tankstellenpächter zum Wasser-Guru

Johann Grander, 1930 in Tirol geboren, war ursprünglich Lastwagenfahrer und später Pächter einer Tankstelle in der Kitzbüheler Gegend. Nach eigenen Angaben verließ er die Volksschule nach sieben Jahren und hatte keine Ausbildung in Physik oder Chemie. Ende der 1970er-Jahre behauptete er, durch göttliche Eingebung eine Methode erhalten zu haben, mit der Wasser eine neue, „belebte“ Struktur annehmen solle. Aus dieser Idee entwickelte sich ein Familienunternehmen, das ab den 1980er-Jahren Geräte und abgefüllte Produkte unter dem Markennamen „Grander“ vertrieb. Kern der Lehre: Wasser könne durch Informationsübertragung verändert werden, ohne dass Stoffe ausgetauscht würden. Details zum Verfahren nannte Grander nicht; es bleibe sein „Geheimnis“.
Funktionsprinzip und Preise

Die als „Wasserbelebung“ beworbene Technik arbeitet mit einem Gerät, durch das Leitungswasser strömt. In Kammern befindet sich laut Hersteller sogenanntes Informationswasser, das angeblich seine Struktur auf das durchfließende Medium überträgt. Selbst eine offene Flasche Grander-Wasser soll benachbartes Wasser verändern können. Die Geräte wurden an Hausbesitzer, Landwirte und Industriekunden verkauft, abgefüllte Literflaschen kosten in Österreich ab zwölf Euro, in der Schweiz bis zu 23 Franken. Das Unternehmen U.V.O. Vertriebs GmbH & Co KG mit Sitz in Jochberg meldete für 2010 einen Jahresumsatz von rund 13 Millionen Euro; für das Geschäftsjahr 2018/19 korrigierte die Geschäftsführung die Planung auf sechs Millionen Euro nach unten.
Wissenschaftliche Prüfung und juristische Auseinandersetzungen

Laboruntersuchungen der Bundesanstalt für Wassergüte (Wien, 1993) sowie Diplomarbeiten und Messreihen von Hochschulen führten zu keinem belastbaren Nachweis physikalischer oder chemischer Veränderungen. Eine Untersuchung der Zeitschrift „Skeptiker“ (2003) kam zum Ergebnis, dass sich die Oberflächenspannung von mit Grander-Technologie behandeltem Wasser nicht messbar von Kontrollproben unterschied. Das Oberlandesgericht Wien bestätigte 2006, dass die Bezeichnung „esoterischer Unfug“ zulässig ist; das Gericht wertete die Werbeaussagen als irreführend. Trotz mehrerer negativer Gutachten ließ sich das Unternehmen nicht davon abbringen, von „belebtem“ Wasser zu sprechen. Kritiker wie die Gesellschaft für kritisches Denken (GWUP) zeichneten die Marke 2019 mit dem Negativpreis „Goldenes Brett“ für ein Lebenswerk im Bereich Pseudowissenschaft aus.
Auszeichnungen, politische Interventionen und Nachfolge
Im Jahr 2001 verlieh die österreichische Bundesregierung Johann Grander das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Nach massiver Kritik mehrerer Nationalratsabgeordneter prüfte das Wissenschaftsministerium 2008 ein Aberkennungsverfahren. Minister Johannes Hahn lehnte eine Rücknahme jedoch ab, weil formell keine Täuschung über wissenschaftliche Leistungen vorgelegen habe. 2000 hatte Grander zudem das „Silberne Ehrenzeichen“ der Russischen Akademie der Naturwissenschaften erhalten, einer privaten Institution, die durch ihren Namen Verwechslungen mit der staatlichen Russischen Akademie der Wissenschaften provoziert. Nach dem Tod des Firmengründers 2012 führten seine Kinder Johann, Johanna, Stephanie und Heribert Grander das Unternehmen weiter; Standort bleibt Jochberg, das Wasser stammt aus der Stephanie-Quelle im Schaubergwerk Kupferplatte.
Weblinks
- Addendum.org: Granderwasser – eine belebte Geschichte
- Der Standard: Der Unfug Granderwasser
- Medizin-transparent: Granderwasser – Wirkung nicht plausibel
- ORF.at: Gerichtsurteil erlaubt Bezeichnung „esoterischer Unfug“
- Konsument.at: Granderwasser-Kritik bestätigt
- Oberlandesgericht Wien, Urteil vom 17.08.2006 (PDF)
- GWUP: Oberflächenspannungsänderung durch Grander-Belebung nicht bestätigt
- Bundesanstalt für Wassergüte Wien: Gutachten 1993 (PDF)
Veröffentlichungen
- Felsch, H.: Annäherung an das Wasserrätsel anhand der Grander®-Technologie (Broschüre)
- Faißner, K.: Diplomarbeit zur Grander-Wasserbelebung