Thomas Röper
Der in Sankt Petersburg lebende deutsch-russische Autor Thomas Röper betreibt seit 2018 das Blog „Anti-Spiegel“ und wurde 2025 wegen seiner Berichterstattung zum Ukraine-Krieg von der EU sanktioniert. Seine Arbeit steht im Fokus von Desinformationsforschung und Geheimdienst-Ermittlungen.
Werdegang und Selbstverständnis

Thomas Röper, geboren 1971 in Bremen, absolvierte nach eigenen Angaben eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Schleswig-Holstein und war von 1991 bis 1993 in der Kieler St.-Petersburg-Hilfe ehrenamtlich tätig. Ab 2003 lebte er zunächst als Versicherungsmitarbeiter in Russland, seit 2012 gibt er an, in Sankt Petersburg als selbstständiger Berater und Sachbuchautor zu arbeiten. In Interviews bezeichnet er sich gern als „Experte für Osteuropa“; einen entsprechenden akademischen Abschluss kann er jedoch nicht vorweisen. 2020 erhielt er eine Akkreditierung für die jährliche Pressekonferenz von Präsident Wladimir Putin – ausgestellt für die Agentur Inforos, die laut Recherchen des Auswärtigen Amts und des US-Finanzministeriums mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU zusammenarbeitet. Röper verfügt inzwischen über die russische Staatsbürgerschaft; ob er die deutsche weiterhin besitzt, ist öffentlich nicht geklärt.
Blog „Anti-Spiegel“ und Kooperation mit RT

Seit Juli 2018 betreibt Röper das anonym gehostete Blog „Anti-Spiegel“, das kein Impressum angibt und nur über eine E-Mail-Adresse erreichbar ist. Schwerpunkt ist die Kritik an westlichen Medien, insbesondere an der Wochenzeitschrift Der Spiegel, sowie die Übersetzung und Kommentierung russischer offizieller Quellen. Im Juli 2023 startete er gemeinsam mit dem RT-Deutsch-Mitarbeiter Dominik Reichert das Format „Anti-Spiegel TV“, das auf YouTube und dem russischen Portal Rutube erschien. Nachdem der Kanal im März 2024 von YouTube gelöscht wurde, verlagerte Röper seine Videos auf russische Plattformen. In einem Blogbeitrag räumte er ein, dass RT für die Produktion zahlt: „RT würde dann von mir kaufen.“ Damit bestätigte er, dass seine Arbeit auch direkt aus russischen Staatsmitteln finanziert wird.
Verbreitung und Vernetzung

Texte Röpers erscheinen regelmäßig auf deutschsprachigen Alternativportalen wie Rubikon, Free21, Linke Zeitung, Apolut oder Pravda TV. Als Moderator ist er beim ehemaligen NuoViso-Projekt (heute NuoFlix) gelistet; Interviews führte er bereits für Rossiya 24, Radio Sputnik, den Ersten Kanal und den Propagandasender NewsFront. Weitere Verbreitung findet er über Kanäle wie Kla.tv, AUF1 oder das Projekt „Leuchtturm ARD“. Technische Unterstützung für seine Webseiten erhielt Röper zunächst von Jochen Udo Wagner aus Mallorca, einem Wegbegleiter des verschwörungsideologischen Verlegers J. K. Fischer. Später übernahm der Verlag selbst Design und Hosting; auf „Anti-Spiegel“ wurden daraufhin Bücher von Autoren wie John Coleman oder Andreas Märki beworben, die unter anderem Mondlandungsleugnung verbreiten. Röper finanziert sich laut eigener Angabe über Werbebanner und Buchverkäufe; Sponsoring durch einzelne Geldgeber lehnt er mit dem Hinweis auf seine „Unabhängigkeit“ ab.
Themen und Kriegsberichterstattung
Röper thematisiert vor allem die Ukraine-Krise, die Corona-Pandemie und angebliche Zensurmaßnahmen westlicher Plattformen. Bereits neun Tage vor dem russischen Angriffskrieg nahm er an der Moskauer Konferenz „Geopolitischer Krieg des Westens gegen Russland: Fall Ukraine“ teil, gemeinsam mit der Rossija-Sewodnja-Korrespondentin Alina Lipp. Nach Kriegsbeginn reiste er im März 2022 in das von Russland eroberte Melitopol – eingebettet in einen Konvoi mit „Z“-Markierung und Eskorte der russischen Nationalgarde. In seinen Berichten berichtete er von „begeisterten“ Einwohnern, ging jedoch auf Entführungen lokaler Journalisten oder des Bürgermeisters Iwan Fedorow nicht ein. Auch das Massaker von Butscha kommentierte er mit der Behauptung, entsprechende Videos seien erst Tage nach der Rückkehr ukrainischer Truppen aufgetaucht – tatsächlich existieren Aufnahmen bereits vom 1. April 2022, belegt durch Satellitenbilder, Drohnenvideos und Zeugenaussagen. Gleiches gilt für den Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol, den Röper als Inszenierung bezeichnete; Faktenchecker wiesen seine Behauptung zurück, dass eine schwangere Bloggerin als Schauspielerin aufgetreten sei.
EU-Sanktionen und Geheimdienst-Verbindungen
Am 20. Mai 2025 setzte die Europäische Union Röper gemeinsam mit Alina Lipp auf die Sanktionsliste Nr. 15 im Rahmen der Maßnahmen gegen „hybride Bedrohungen“. Begründet wurde der Schritt mit systematischer Verbreitung von Desinformation zugunsten Russlands und Unterstützung des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Das Auswärtige Amt benannte darüber hinaus das Moskauer „Center for Geopolitical Expertise“ (CGE) als Drahtzieher der anonymen Kampagne „Storm-1516“, für die Röper mindestens ein Interview geführt hatte. Das US-Finanzministerium hatte das CGE bereits 2024 sanktioniert, weil es gemeinsam mit der GRU-Abt. 54777 einen KI-Server betreibt, über den mindestens 100 Webseiten für Desinformationsoperationen finanziert werden. Auch die Agentur Inforos, bei der Röper seit 2022 publiziert, gilt lassen amerikanische und europäische Behörden als Teil der GRU-Struktur. Entsprechende Akkreditierungen russischer Behörden sowie wiederholte Auftritte in Staatsmedien bestätigen seine enge Einbindung in staatliche russische Kommunikationsstrategien.