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Antioxidantien

Aus Faktenradar

Antioxidantien gelten als Zellschützer gegen oxidative Belastung. Doch was ist gesichert, was bloß Marketing? Ein Überblick über Stoffe, Messverfahren und Studienlage.

Funktion und Vorkommen antioxidativer Substanzen

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Antioxidantien verzögern oder verhindern die Oxidation anderer Moleküle. Im menschlichen Organismus dienen sie als Puffer gegen reaktive Sauerstoffspezies (ROS), die bei normaler Energiegewinnung in den Mitochondrien entstehen. Körpereigene Vertreter sind Harnsäure, Bilirubin, Albumin, Glutathion, Ubichinon (Coenzid Q10) und Ceruloplasmin. Mit der Nahrung aufgenommene Exogene finden sich vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln: Knoblauch, Brokkoli, Blaubeeren, Tomaten, Kakao, Tee oder Kaffee liefern Vitamin C und E, Carotinoide, Polyphenole wie Resveratrol, Quercetin oder OPC aus Traubenkernextrakt. Die durchschnittliche Zufuhr essenzieller antioxidativer Vitamine liegt bei etwa 100 mg täglich, während sekundäre Pflanzenstoffe leicht den ein Gramm übersteigen können. Muttermilch enthält ebenfalls Radikalfänger, die Neugeborene bis zur Ausbildung eigener Abwehrmechanismen unterstützen.

Radikale, oxidativer Stress und Erkrankungen

Radikale, oxidativer Stress und Erkrankungen

Freie Radikale sind nicht per se schädlich. Sie wirken bakterizid in der Immunabwehr, beteiligen sich an der Gefäßweitung und steuern Zellwachstum sowie Apoptose. Erst wenn ihre Bildung das antioxidative Kapazitätssystem übersteigt, entsteht oxidativer Stress. Dieser Zustand kann Proteine, Lipide und DNA schädigen und gilt als Mitursacher bei Arteriosklerose, Katarakt, Krebs und degenerativen Alterungsprozessen. Entzündungen, Tabakrauch, UV-Strahlung, Medikamente oder Schwermetalle erhöhen die Radikalproduktion. Der Körper reagiert mit Reparaturenzymen (DNA-Reparatur, Katalase, Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase) oder löst programmierten Zelltod aus. Die Balance zwischen Schutz und Schaden hängt von Dosis, Dauer und individueller genetischer Veranlagung ab.

Weblinks

  1. USDA ORAC-Tabelle pflanzlicher Lebensmittel
  2. Verbraucherzentrale: Hintergründe zur Antioxidantien-Werbung
  3. Spiegel online: Risiken hochdosierter Vitaminpräparate

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. Bundesministerium für Ernährung: Schriftenreihe Angewandte Wissenschaft Heft 495