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Focardi-Rossi-Energiekatalysator

Aus Faktenradar

Seit 2011 kündigt Andrea Rossi einen kompakten Wärme-Katalysator an, der angeblich Nickel-Wasserstoff-Fusion nutzt. Trotz mehrfach veränderter Prototypen fehlt bislang jeder unabhängige Nachweis für Kernprozesse.

Chronologie öffentlicher Auftritte und Marktankündigungen

Chronologie öffentlicher Auftritte und Marktankündigungen

Der italienische Unternehmer Andrea Rossi präsentierte 2011 erstmals einen Tischreaktor, der laut seiner Darstellung 10 kW thermische Leistung bei Eingabe von rund 1 kW elektrischer Heizung erbrachte. Die Presse taufte das Gerät „E-Cat“, kurz für Energy Catalyzer. Bereits damals kündigte Rossi eine Serienfertigung für 2012 an, später verschob sich das angebliche Markteintrittsdatum mehrfach. 2013 erwarb die US-Investorengruppe Industrial Heat (IH) die Lizenzrechte für 11,5 Millionen US-Dollar und verpflichtete sich, weitere 89 Millionen zu zahlen, falls ein unabhängiger Test die versprochene Leistung bestätigte. Ein solcher Nachweis blieb aus; 2016 reichte Rossi Klage auf Auszahlung der Restsumme ein, zog das Verfahren jedoch 2017 vor Gericht in Florida zurück. Seitdem bewirbt Rossi neue Varianten (E-Cat QX, SKL), ohne kommerzielle Geräte auszuliefern. Die Musterfolge – Demonstration, Lizenzverkauf, Terminverschiebung – wiederholt sich seit zwölf Jahren.

Technische Behauptungen und wechselnde Reaktionsmodelle

Technische Behauptungen und wechselnde Reaktionsmodelle

Anfangs erklärten Rossi und der emeritierte Physiker Sergio Focardi, in einem Edelstahlrohr würde Nickel-62 mit Wasserstoff zu Kupfer-62 fusionieren, wobei 130 kW Wärme frei würden. Messbare Gamma- oder Neutronenstrahlung habe man nicht gefunden, was nach Standardphysik nahezu unmöglich wäre. 2014 revidierte Rossi das Modell: Kupfer entstehe nicht mehr, stattdessen bilde Lithium-7 das Endprodukt. Ein Jahr später sprach er von „low-energy nuclear reactions“ (LENR), ohne Details zu nennen. Die einzige veröffentlichte Patentschrift (WO 2009/125444) beschreibt ein Nickel-Wasserstoff-Gemisch mit einem geheimen Katalysator, der angeblich die Coulomb-Barriere absenkt. Die Reaktorwände seien mit 2 cm Blei ausgekleidet, das gleichzeitig Strahlung in Wärke umwandeln solle. Unabhängige Prüfer fanden weder veränderte Isotopenverhältnisse noch Spuren von Lithium-7 oder radioaktiven Zerfallsprodukten. Die gemessene Wärmebilanz entsprach in allen kontrollierten Tests unvermeidlichen Messfehlern oder zusätzlichen Heizleistungen.

Weblinks

  1. Skeptical Inquirer: Rossi's E-Cat – expose of a claimed cold-fusion device
  2. Der Spiegel: Kalte Kernfusion – Herr Rossi sucht das Glück der Menschheit

Veröffentlichungen