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Hulda Clark

Aus Faktenradar

Die US-Amerikanerin Hulda Clark postulierte, alle Krebserkrankungen ließen sich auf einen einzigen Darmegel zurückführen. Mit dem „Zapper“ wollte sie Parasiten und Umweltgifte beseitigen – bis Gerichte und Aufsichtsbehörden einschritten.

Vom Labor in die Esoterikszene

Vom Labor in die Esoterikszene

Hulda Regehr Clark wurde am 18. Oktober 1928 in Kanada geboren und später US-amerikanische Staatsbürgerin. Nach eigenen Angaben arbeitete sie zunächst als Physiologin, doch ihre Ausbildung im Gesundheitsbereich beschränkte sich im Wesentlichen auf einen 100-Stunden-Fernkurs am Clayton College of Natural Health in Birmingham, Alabama. Das Institut verlieh ihr die Titel „N.D.“ (Naturopathic Doctor) und „Doctor of Naturopathy“, die in den USA keinerlei Promotionsstatus besitzen. Bereits Ende der 1980er-Jahre veröffentlichte Clark erste Bücher, in denen sie zwei einfache Ursachen für nahezu alle chronischen Erkrankungen benannte: Parasiten – insbesondere den asiatischen Darmegel Fasciolopsis buski – sowie eine lange Liste industrieller und haushaltsüblicher Lösungsmittel. Diese These führte sie konsequent weiter und versprach in ihrem 1993 erschienenen Werk „The Cure for All Cancers“ eine universelle Heilung, sofern Patienten den angeblichen Parasiten mit einem elektrischen Gerät, dem sogenannten Zapper, töteten und gleichzeitig alle chemischen Belastungen aus ihrer Umgebung entfernten.

Das Diagnose- und Therapie-Konzept: Syncrometer, Zapper und Entgiftung

Das Diagnose- und Therapie-Konzept: Syncrometer, Zapper und Entgiftung

Zentrale Instrumente der Clark-Lehre sind das „Syncrometer“ und der „Zapper“. Das Syncrometer wird als Bioresonanzgerät präsentiert, das angeblich durch Frequenzvergleich zwischen Patienten- und Referenzproben Parasiten, Schwermetalle oder Lösungsmittel im Körper nachweisen kann. Für diese Methode liegt keine validierte Studie vor; Labortests zeigten, dass das Gerät lediglich elektrisches Rauschen verstärkt. Dennoch kosteten Syncrometer mehrere hundert US-Dollar und wurden weltweit vertrieben. Der Zapper wiederum ist ein einfacher Impulsgenerator, der mit 9-Volt-Batterie betrieben wird und nach Clark-Angaben eine Frequenz von etwa 30 kHz ausstrahlt. Patienten sollen sich die Elektroden für sieben Minuten in die Handflächen legen, eine Pause einlegen und den Vorgang wiederholen – so soll jegliche parasitäre Infestation beseitigt werden. Zusätzlich empfahl Clark vier „Körper-Sanierungs“-Protokolle: Darmreinigung mit Epsom-Salz, Leber-Gallen-Flush, Nieren- und Parasiten-Kur sowie die konsequente Vermeidung von Propanol, Isopropanol, Formaldehyd und anderen Lösungsmitteln.

Rechtskonflikte und Klinik-Schließungen

Rechtskonflikte und Klinik-Schließungen

Die wissenschaftliche Gemeinschaft reagierte mit deutlicher Kritik, da weder die Existenz des Parasiten bei westlichen Krebspatienten belegt noch eine Wirksamkeit der Zapper-Frequenz nachgewiesen ist. Trotzdem errichtete Clark ab 1995 in Tijuana, Mexiko, die „Century Nutrition Clinic“, in der onkologische Kranke nach ihrem Konzept behandelt wurden. 2001 schlossen die mexikanischen Gesundheitsbehörden die Einrichtung, weil sie keine Betriebserlaubnis besaß und Hygienevorschriften missachtet wurden. In den USA wurde Clark im September 1999 im Bundesstaat Indiana festgenommen; ihr wurde vorgeworfen, ohne Approbation Heilkunde betrieben zu haben. Ein Strafverfahren erging sich zwar nicht, doch die Klage zeigte Wirkung: Im Jahr 2004 verpflichtete ein Gericht die „Dr. Clark Association“, auf ihrer Website keine Heilversprechen mehr für Zapper und Kräuterprodukte zu verbreiten. Die US-Handelsaufsicht FTC untersagte es, das Gerät als wirksam gegen Bakterien, Viren, Parasiten oder gar Krebs zu bewerben. In Deutschland wurde 2005 eine niedergelassene Ärztin wegen fahrlässiger Behandlung einer Tumorpatientin mit Clark-Zapper zu einer Geldauflage von 3.000 Euro verwarnt; die Patientin war zwei Wochen nach der Behandlung verstorben.

Deutschsprachige Anhänger und wachsende Skepsis

Bis heute finden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz Heilpraktiker sowie einzelne Ärzte, die Elemente der Clark-Lehre in ihre Praxis integrieren. Der Münchner Heilpraktiker Alan E. Baklayan veranstaltete bis 2008 Seminare mit dem Titel „Dr. Clark, Dr. Rife und ihre genialen Entdeckungen der Frequenztherapie“ und vertrieb DVDs über „Blutparasiten – wissenschaftliche Erklärung nach Dr. Hulda Clark“. Nach interner Kritik distanzierte er sich in einer E-Mail vom Syncrometer, nicht jedoch von der Parasiten-These. Die Klinik ProLeben in Greiz (Thüringen) bewarb sich lange Zeit mit „Parasitendiagnostik nach Dr. Clark“ und zusätzlich mit der „Germanischen Neuen Medizin“ nach Ryke Geerd Hamer. Auffällig ist, dass mehrere Protagonisten der Clark-Szene auch im Umfeld der Scientology-Organisation aktiv sind; so ist der Schweizer Vertriebspartner David P. Amrein eingetragener Scientologe. Die Schweizerische Studiengruppe für Komplementäre und Alternative Methoden bei Krebs (SKAK) kam 2006 in einer Expertise zu dem Schluss, dass „weder eine parasitäre Ursache von Krebs noch eine therapeutische Wirksamkeit des Zappers belegt“ seien.

Tod, Nachlass und Nachwirkungen

Am 3. September 2009 starb Hulda Clark im Alter von 80 Jahren. Zunächst hieß es in einer von ihrem Unterstützer Tim Bolen verbreiteten Stellungnahme, sie sei an den Folgen einer Wirbelsäulenverletzung im Schlaf verstorben. Ein auf der offiziellen Clark-Website veröffentlichter Nachruf sowie der inzwischen einsehbare Todesschein nennen jedoch multiples Myelom – eine bösartige Krebserkrankung der Knochenmarkplasmazellen – als Todesursache. Die Ironie, dass die Propagatorin einer angeblichen Universal-Krebskur letztlich selbst an Krebs verstarb, wurde von Kritikern weltweit kommentiert. Dennoch existieren bis heute Online-Shops, die Zapper, Syncrometer und die Bücher Clarks vertreiben. Gerichte und Aufsichtsbehörden müssen regelmäßig gegen irreführende Heilversprechen vorgehen, wie jüngst 2020 erneut in der Schweiz, wo die Zürcher Kantonspolizei mehrere Geräte beschlagnahmte. Die Geschichte Hulda Clarks zeigt exemplarisch, wie einfache mechanistische Erklärungsmuster in der Medizin auf große Resonanz stoßen können – und wie schwer sich nachweislose Lehren wieder aus dem alternativmedizinischen Markt verbannen lassen.

Zitate

All cancers are alike. They are all caused by a parasite. A single parasite! It is the human intestinal fluke. — Hulda Clark: The Cure for All Cancers. New Century Press, 1993, S. 1

Weblinks

  1. Deutscher Wikipedia-Artikel zur Clark-Therapie
  2. Schweizerische Studiengruppe für Komplementäre und Alternative Methoden bei Krebs (SKAK): Dokumentation Nr. 06/06
  3. FTC-Beschluss gegen Dr. Clark Association (2004)
  4. ScienceBlogs: 'Requiem for a Quack' (2009)

Veröffentlichungen

  • American Cancer Society: Complementary and Alternative Cancer Methods. University of Michigan Press, 2000, ISBN 0944235298
  • Onkologie integrativ: Konventionelle und komplementäre Therapie. Urban & Fischer, 2006, ISBN 343756420X
  • Furrer M et al.: Hazards of an alternative medicine device in a patient with a pacemaker. N Engl J Med. 2004; 350:1688-90