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Manfred Doepp

Aus Faktenradar

Der deutsche Arzt Manfred Doepp erhielt 2024 ein sechsjähriges Berufsverbot durch das St. Galler Gesundheitsdepartement. Mehrere Gerichtsverfahren werfen Schlaglichter auf seine Praxis in der Schweiz.

Vom Sanitätsoffizier zum Praxisinhaber in Abtwil

Vom Sanitätsoffizier zum Praxisinhaber in Abtwil

Geboren 1946, studierte Manfred Doepp Humanmedizin und diente zunächst als Sanitätsoffizier. Anschließend arbeitete er an der Universität Gießen sowie als Nuklearmediziner in Hanau. Seit Mitte der 1990er-Jahre konzentrierte er sich auf alternative Verfahren: von 1995 bis 1999 leitete er eine sogenannte CAM-Klinik in Salzburg, danach zog er in die Schweiz. In Abtwil SG gründete er das „Holistic Center“, zuvor unter dem Namen „Gesundheitszentrum Bichwil“. Neben der Praxisarbeit verfasst er regelmäßig Beiträge für das Co’Med-Magazin und hält Vorträge für Firmen wie Fostac. Doepp ist Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Energetische und Informationsmedizin (DGEIM) und gehört der Schweizerischen Gesellschaft für Energie-, Bioresonanz- und Informationsmedizin (SEBIM) an.

Gerichtliche Schritte wegen Behandlungsmethoden und Covid-Zertifikaten

Gerichtliche Schritte wegen Behandlungsmethoden und Covid-Zertifikaten

Seit 2020 richteten sich mehrere Ermittlungen gegen Doepp. Im Februar 2021 berichtete das Schweizer Fernsehen in „Kassensturz“ über den Fall eines 63-jährigen Lungenkrebspatienten, der trotz TimeWaver-Therapie nicht geheilt wurde. Im Herbst 2020 verstarb der Mann; die Sendung warf Doepp vor, die Tumorerkrankung nicht erkannt und stattdessen mit einer nicht anerkannten Bioresonanzmethode behandelt zu haben. Im März 2021 folgte ein weiterer Beitrag über eine Brustkrebspatientin, die nach Behandlung mit dem Nahrungsergänzungsmittel „Citozym“ ebenfalls verstarb. Das zuständige Kreisgericht St. Gallen verurteilte Doepp 2023 wegen mehrfacher Urkundenfälschung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Hintergrund waren 50 Covid-19-Impfzertifikate und 389 Genesenenzertifikate, die er ohne entsprechende Befugnis ausgestellt hatte. Ein weiterer Strafbefehl (2022) sah eine Busse von 10.000 CHF sowie 180 bedingte Tagessätze wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz vor; die Substanz Citozym war mit zu hohen Dosen und unzulässigen Heilversprechen vertrieben worden.

Sechsjähriges Berufsverbot und Vorwurf mangelnder Aufklärung

Sechsjähriges Berufsverbot und Vorwurf mangelnder Aufklärung

Im Frühjahr 202s erließ das St. Galler Gesundheitsdepartement ein sechsjähriges Berufsverbot gegen Doepp. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Als Begründung führte die Behörde an, der Arzt habe Patientinnen und Patienten „nicht nur ungenügend, sondern gar nicht“ aufgeklärt und damit seine gesetzliche Aufklärungspflicht schwer verletzt. Zudem seien Krankenakten unvollständig oder gar nicht geführt worden. Das Departement kam zu dem Schluss, das Vertrauen in die ordnungsgemäße Ausübung des ärztlichen Berufs sei „in gravierender Weise missbraucht“ worden. Während der Probezeit von zwei Jahren muss Doepp weitere Straftaten vermeiden, da sonch die bedingte Geldstrafe vollstreckt werden könnte.

Gutachten für Elektrosmog-Produkte und methodische Kritik

Über seine Firma „Holistic Diag Center“ in Oberbayern erstellt Doepp Gutachten für zahlreiche Produkte, die vor allem den Elektrosmogschutz oder die sogenannte Wasserbelebung betreffen. Zu den untersuchten Gegenständen zählen etwa Handy-Aufkleber („Energy Badge“, „Fostac Chip“), Glaskugeln („Aqua Royal Raumstern“), ein mit Sand gefülltes Glasrohr („Fostac Rho-Stab“) und ein „energetisiertes“ Kuscheltier („Benny Energie Bär“). Die Tests erfolgen laut eigenen Angaben mit Meridianmessgeräten wie Prognos oder mit Segmentardiagnostik; wissenschaftliche Kontrollgruppen werden nicht verwendet. Kritiker bewerten die Verfahren als pseudowissenschaftlich, weil eine reproduzierbare Validierung fehlt. Gleiches gilt für die im Gesundheitszentrum angebotenen Therapien: Matrix-Rhythmus-Therapie, SCENAR, Ozontherapie, Aufenthalte in einer „Kozyrev-Kammer“ oder Elektro-Cancer-Therapie (ECT) werden in der evidenzbasierten Medizin nicht als wirksam anerkannt.

Verband mit Citozym-Hersteller und internationale Ermittlungen

Das Präparat Citozym, das in den Krebsfällen eine Rolle spielte, stammt vom italienischen Hersteller Citozeatec. Die italienische Polizei beschlagnahmte im März 2020 die Firmen-Website, nachdem das Paar Pasquale Ferorelli und seine Ehefrau das Mittel laut Staatsanwaltschaft als „Wundermittel“ gegen Covid-19 beworben hatte. Dabei kursierten Umsätze von rund drei Millionen Euro; 170.000 Produkte wurden sichergestellt. Ermittlungen liefen bereits wegen der Vorgängerprodukte Citexvir und Biotex, die gegen Krebs angepriesen worden waren. Doepp bewirbt Citozym in einem PDF-Dokument als „oft wirksamste Behandlungsmethode“ für praktisch alle Krankheiten und empfiehlt bei schweren Verläufen sogar intravenöse Injektionen. Die Schweizer Gesundheitsbehörden stuften das Vorgehen als „ungeeignete Behandlung“ ein und leiteten ein Verfahren ein.

Weblinks

  1. SRF-Kassensturz-Beitrag zur Bioresonanztherapie
  2. Tagblatt-Bericht über Gerichtsverfahren wegen Covid-Zertifikaten
  3. Tagblatt-Meldung zum sechsjährigen Berufsverbot

Einzelnachweise

  1. Ärzteblatt zum Begriff „Typ-3-Diabetes“ und Alzheimer-Demenz
  2. Italienische Presse zu Beschlagnahmung von Citozym wegen Covid-Werbung