Markus Fiedler
Der Diplom-Biologe und Musiklehrer Markus Fiedler war an Waldorfschulen tätig, betreibt ein Tonstudio und veröffentlicht seit Jahren Beiträge und Filme mit teils scharfer Wikipedia-Kritik. Seine Aktivitäten reichen von pädagogischen Projekten bis zur Zusammenarbeit mit umstrittenen Medienfiguren.
Werdegang und pädagogische Tätigkeit

Markus Fiedler, geboren am 11. Mai 1974, studierte Biologie und Musik und arbeitete bis vor einigen Jahren als Lehrer an der Freien Waldorfschule Oldenburg. Dort unterrichtete er nach eigenen Angaben die Fächer Biologie und Musik. Im Sommer 2023 berichtete Der Spiegel, dass Fiedler nach Informationen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Oldenburg seine Anstellung an der Waldorfschule verloren habe; Hintergrund seien außerschulische Aktivitäten gewesen, auf die die Schule hingewiesen worden sei. Seitdem unterrichte er an der Privatschule LernArt in Oberndorf (Landkreis Cuxhaven), die von Christian Beckmann gegründet wurde. Die LernArt-Schule bezeichnet sich als „Freie Schule“ und sieht sich selbst in der Tradition reformpädagogischer Konzepte. Neben der Lehrtätigkeit betreibt Fiedler seit 1998 ein eigenes Tonstudio unter der Bezeichnung „mpfm“ und arbeitet als freiberuflicher Musiklehrer für Tasteninstrumente, Komponist und Produzent. Auch war er zeitweise als Gastdozent an der Universität Oldenburg tätig.
Medienprojekte und publizistische Netzwerke

Fiedler ist Mitverantwortlicher des Online-Magazins Terz, das sich mit Medienkritik und kulturpolitischen Themen beschäftigt. Das Projekt wird gemeinsam mit Robert Sigmuntowski und Johannes Hübner betrieben. Darüber hinaus produziert Fiedler Podcasts und betreibt den YouTube-Kanal „Fiedleraudio“, in dem er sich unter anderem mit Fragen der Medienvielfalt und alternativen Sichtweisen auf gesellschaftliche Debatten auseinandersetzt. Seine Texte erschienen unter anderem auf Plattformen wie Rubikon, apolut, Free21 und dem Blog „Anti-Spiegel“. Für das von Anselm Lenz herausgegebene Periodikum „Demokratischer Widerstand“ schrieb Fiedler wiederholt Beiträge und Laudationes, etwa zur Verleihung des sogenannten „Preises der Republik“ an den früheren Polizisten Karl Hilz und an Klaus Hartmann. Auch bei KenFM, dem Projekt von Ken Jebsen, veröffentlichte Fiedler Beiträge, darunter eine Stellungnahme zum rechtsgerichteten Aktivisten Nikolai Nerling, der 2019 wegen Volksverhetzung und Hausfriedensbruch in der KZ-Gedenkstätte Dachau zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Fiedler bezeichnete einen von Nerling gezeigten Spruch zur Geschichtsschreibung des Holocausts als „einmalige Entgleisung“. Der Artikel wurde später von der Plattform entfernt.
Wikipedia-Kritik und Filmprojekte

Seit 2015 trat Fiedler wiederholt als Kritiker der deutschsprachigen Wikipedia in Erscheinung. Auslöser war nach eigenen Angaben der Eintrag zum Schweizer Historiker Daniele Ganser, den er als nicht ausgewogen wahrnahm. Gemeinsam mit Frank-Michael Speer produzierte er die Dokumentation „Die dunkle Seite der Wikipedia“ (2015/16), in der vorgebracht wird, dass in der Online-Enzyklopädie systematisch bestimmte Perspektiven dominieren würden. Ein zweiter Film mit dem Titel „Zensur – die organisierte Manipulation der Wikipedia und anderer Medien“ folgte 2017. Mit dem Journalisten Dirk Pohlmann und der österreichischen Gruppe42 entstand zudem die Videoreihe „Wikihausen“, in der einzelne Wikipedia-Autorinnen und -Autoren thematisiert wurden. Die Rezeption dieser Projekte fand unter anderem bei RT Deutsch, KenFM und dem Kopp-Verlag statt. Stephan Bartunek von Gruppe42 distanzierte sich später öffentlich von Fiedler und bezeichnete die gemeinsame Zeit als „Fettfleck“ in seiner Biografie. Auch Pohlmann unterbrach zeitweise die Kooperation, unter anderem wegen unterschiedlicher Auffassungen zum Umgang mit Spendengeldern und zur Thematisierung der „Klimalüge“.
Inhaltliche Positionen und wissenschaftliche Bewertung
Fiedler wirft der Wikipedia vor, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht angemessen darzustellen, und fordert unter anderem eine gleichwertige Behandlung von Kreationismus und Evolutionstheorie. Klimawissenschaftlich belegte Erkenntnisse werden von ihm wiederholt infrage gestellt; er vertritt die These, es handle sich um eine „Klimalüge“. In Interviews äußerte er sich zudem zu Verschwörungstheorien rund um die Anschläge vom 11. September 2001. Seine Relevanz als Wikipedia-Autor ist laut Quelle gering: Unter dem Benutzernamen „Mf“ wurden zwischen 2004 und 2015 lediglich rund ein Dutzend Edits erfasst, unter anderem am Artikel zur FM-Synthese. Dabei fügte er zunächst einen eigenen Homepage-Text samt Namensnennung und Verlinkung ein, was gegen die Richtlinien der Plattform verstößt. In der Folge kam es zu heftigen Diskussionen auf der zugehörigen Diskussionsseite. Fiedler verwies unter anderem darauf, dass Leitmedien durch Mitgliedschaften in „proamerikanischen Lobbyorganisationen“ nicht neutral seien. Sein Account wurde später gelöscht. Versuche, einen eigenen Wikipedia-Artikel zu sich selbst anzulegen, scheiterten 2015 am Kriterium der enzyklopädischen Relevanz.
Kooperationen und öffentliche Resonanz
Neben den genannten Partnern arbeitete Fiedler unter anderem mit dem Chemieprofessor Gerald Dyker sowie dem ehemaligen Polizisten und Buchautor Karl Hilz zusammen. Für das Projekt „Mainz Free TV“ trat er gemeinsam mit Bodo Schickentanz auf, der für seinen sogenannten „Coladosen-Wurftest“ bekannt wurde. In der Sendung äußerte sich der Mitgesprächspartner Frank-Michael Speer enthusiastisch über die Bücher des Autors Jan van Helsing, die wegen Volksverhetzung beschlagnahmt wurden. Fiedler selbst distanzierte sich in der Vergangenheit von pauschalen „Rechts“-Zuschreibungen für Personen wie Andreas Popp oder Ken Jebsen und sprach von gezielten Rufmordkampagnen. Seine Beiträge finden sich regelmäßig in einschlägigen alternativen Medien, darunter auch Kanäle des russischen Staatssenders Sputnik. Die wissenschaftliche Kommunikationsforschung bewertet Fiedlers Wikipedia-Kritik als teilweise unsubstantiiert und argumentativ problematisch. So fehlen nach Auffassung von Fachvertretern belastbare Belege für die behauptete systematische Manipulation, während seine Darstellung wissenschaftlicher Themen wie des Klimawandels oder der Evolutionstheorie nicht dem aktuellen Forschungsstand entspreche.
Weblinks
- taz: Alternative Schule mit alternativen Fakten
- Der Spiegel: Dein Lehrer, der Verschwörungstheoretiker?