Martin Frischknecht
Der 1949 geborene Elektroingenieur aus dem Kanton Bern gründete Firmen für umstrittene Heilgeräte, betreibt die Plattform „Alpenparlament“ und kandidierte wiederholt für kleine Parteien. Gerichte und Behörden untersagten ihm wiederholt den Handel mit Arzneimitteln.
Heilgeräte und strafrechtliche Verfahren

Martin Frischknecht trat erstmals breiter in Erscheinung, als er über die Fritonex AG ein Gerät namens QuickZap (später Power Tube QuickZap) vertrieb. Das Gerät zählt zur Gruppe der sogenannten Zapper, bei denen schwache elektrische Impulse angebliche gesundheitliche Wirkungen versprechen. Frischknecht erklärte, das Produkt könne „Kraftlinien“ im Körper wieder ausrichten und behauptete, in Entwicklungsländern bereits zahlreichen Menschen das Leben gerettet zu haben. Die Schweizer Gesundheitsbehörden stuften den QuickZap als Arzneimittel ein, für das keine Zulassung vorlag. 2008 verurteilte ihn das Regionalgericht Oberland wegen unerlaubten Arzneimittelhandels. Auch sein Buch „Gesundheit als Chance“, das unter dem Pseudonym Rolf Carson erschien, wurde laut Fachmagazin Zeitenschrift vom Bundesamt für Gesundheit verboten; der Band ist dennoch weiterhin über Internetbuchhandel erhältlich. Frischknecht präsentiert seine Produkte regelmäßig auf Alternativmessen, unter anderem beim „Gsund sii, gsund bliibe-Kongress“ der Graswurzel-Bewegung.
„Alpenparlament“ als Veranstaltungs- und Videoplattform
Seit Mitte der 2010er-Jahre betreibt Frischknecht das Projekt „Alpenparlament“. Die Website alpenparlament.tv dient als Videoportal für Vorträge und Interviews, in denen alternative Heilmethoden, Energietechnologien und verschwörungstheoretische Inhalte verbreitet werden. Zu den wiederkehrenden Gästen zählen der Klimaskeptiker Hartmut Bachmann, der Mobilfunkkritiker Joachim Mutter, der „Wasserbeleber“ Wilfried Hacheney sowie mehrere Impfgegner. Moderiert wird das Format regelmäßig von Medienwissenschaftler Michael Vogt. Die Plattform räumt auch Personen Raum, die die wissenschaftliche Erforschung von HIV und AIDS in Frage stellen, etwa dem Ingenieur Kaspar Zimmermann. Die Veranstaltungen des Alpenparlaments dienen zugleich als Vertriebsweg für Frischknechts Zapper-Produkte und bilden ein Netzwerk für alternative Heilsversprechen sowie für gesellschafts- und wissenschaftskritische Thesen.
Politische Bewerbungen und parteiliche Einbindung
Frischknechts politisches Engagement begann in der Partei Interessengemeinschaft Gesundheit (PIG), die sich vor allem gegen die Schulmedizin und für alternative Heilverfahren einsetzte. Später verfasste er Broschüren für die rechtskonservativen „Schweizer Demokraten“, in denen er unter anderem behauptete, der Großvater von US-Präsident George W. Bush habe die Initiative zum Konzentrationslager Auschwitz getragen. 1998 distanzierte sich die Regionalsektion Thun-Konolfingen öffentlich von ihrem früheren Grossratskandidaten. Bei den Nationalratswahlen 2011 trat Frischknecht mit der Liste „Alpenparlament“ (ALP) an, die mit der SVP ein Bündnis einging und 0,4 Prozent der Berner Stimmen erreichte. 2019 kandidierte er mit seiner neu gegründeten GEN-Partei (Gesundheit Energie Natur) und erhielt im Kanton Bern 619 Stimmen. Die GEN-Partei bezeichnet sich als „parteipolitischer Arm“ des Alpenparlaments und mobilisierte unter anderem gegen das sogenannte Enthornen von Milchkühen, weil sie glaubt, enthornte Tiere produzierten allergieauslösende Milch.
Netzwerke während der Corona-Pandemie
Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie positionierte sich Frischknecht auf Seiten der Schweizer Gegner von Schutzmassnahmen. Er trat wiederholt bei Treffen der Gruppe „Urig Schwyz“ auf, die sich aus dem Kanton Uri und dem Adjektiv „urig“ zusammensetzt. Die Teilnehmer ihrer Veranstaltungen erhalten den Veranstaltungsort erst kurzfristig, reisen in Fahrgemeinschaften an und sollen Mobiltelefone im Fahrzeug lassen. Bei den Zusammenkünften in einem Café im Zürcher Ortsteil Elsau warb Frischknecht für seinen Powertube-Zapper und hielt Vorträge zu angeblichen Gefahren durch Funkstrahlung. Die Urig-Bewegung steht in Kontakt zu Anhängern des sogenannten Global Court of the Common Law (GCCL), dessen Gründer Carl-Peter Hofmann im September 2021 in Vadutz verhaftet wurde. Auch der Betreiber des Elsauer Cafés, Günter Diexner, wurde später rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.
Geschäftliche Rückschläge und Bilanz
Neben dem QuickZap-Geschäft gründete Frischknecht die Levellab AG in Forst-Längenbühl, die ein angebliches „neuartiges Heizsystem“ vertrieb. Laut Berichten mehrerer Medien funktionierte die Technik nicht, und eine Kundin soll über 300.000 Schweizer Franken investiert haben. Nach einer Reihe von Schadenersatzklagen meldete die Gesellschaft 2012 Konkurs an. Trotz dieser Rückschläge und trotz behördlicher Auflagen bleibt Frischknecht aktiv: Er betreibt weiterhin das Alpenparlament, nimmt an Alternativmessen teil und kandidiert für seine eigenen Parteien. Seine Biografie verdeutlicht, wie sich ein Elektroingenieur über Jahrzehnte in der Schweizer Alternativszene bewegt, dabei wiederholt mit Gerichten und Behörden in Konflikt gerät und gleichzeitig ein kommerzielles wie politisches Netzwerk rund um alternative Heilmethoden und verschwörungstheoretische Narrative aufbaut.