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Das offene Wiki zur kritischen Einordnung von Pseudowissenschaft, Verschwörungserzählungen und Desinformation im deutschsprachigen Raum — 401 Artikel mit transparenten Quellen und dokumentiertem Korrekturrecht.

NuoFlix

Aus Faktenradar

Seit 2005 verbreitet das Leipziger Portal unter verschiedenen Labels Filme zu Esoterik, Verschwörungstheorien und rechtspopulistischen Themen. Die redaktionelle Linie zieht sich durch wechselnde Gesellschafter, prominente Kooperationen und wiederholte Falschmeldungen.

Gründung, Namenswechsel und rechtliche Strukturen

Gründung, Namenswechsel und rechtliche Strukturen

Das 2005 (nach anderen Angaben 2007) gegründete Internetportal firmierte bis September 2021 unter dem Namen „NuoViso“ und anschließend als „NuoFlix“. Herausgeber war zunächst die Frank Höfer NuoViso Filmproduktion, später die GbR Höfer & Swoboda mit Sitz in Leipzig; vertretungsberechtigt ist Steffen Höfer aus Schkeuditz. Die Wortmarke „NuoFlix“ ist beim Deutschen Patent- und Markenamt für die Höfer & Swoboda GbR registriert. Die Gesellschaft betreibt neben der Videoplattform einen Onlineshop für DVDs und Merchandise-Produkte. Die Inhalte werden primär über YouTube verbreitet, seit August 2019 zusätzlich über 3speak, einen auf den Seychellen betriebenen Dienst. Frank Höfer arbeitete zeitweise als freier Filmcutter für den Mitteldeutschen Rundfunk und war an Heftvorstellungen für das inzwischen verbotene Compact-Magazin beteiligt.

Redaktionelles Umfeld und wiederholte Falschmeldungen

Redaktionelles Umfeld und wiederholte Falschmeldungen

Zu den regelmäßig auftretenden Moderatoren und Interviewpartnern zählen der Ufologe Norbert Fleischer, der Heilpraktiker Alexander Kühn, der „Veganische Germane“ Andreas Goebel sowie die ehemalige WDR-Journalistin Claudia Zimmermann. Mehrfach verbreitete das Portal Berichte, die sich später als unzutreffend erwiesen. Im Dezember 2015 stellte es ein Interview mit einem angeblichen Bundeswehr-KSK-Soldaten („Andre K.“) vor, in dem dieser behauptete, in Afghanistan auf Betäubungsmitteln Kinder und Frauen erschossen zu haben. Der Mann entpuppte sich als Stuttgarter Tonstudiobetreiber Adrian Richling; das Video wurde nach massiver Kritik auf „privat“ geschaltet, nicht jedoch öffentlich richtiggestellt. Auch 2018 verbreitete das Team um Moderator Mark Hegewald Falschinformationen zum Tod des Kubaners Daniel H. in Chemnitz, wonach dieser zwei Frauen vor sexueller Belästigung geschützt und daraufhin mit 25 Messerstichen getötet worden sei. Die Polizei wies diese Darstellung als haltlos zurück. Weitere wiederkehrende Themen sind angebliche „Klimalügen“, die Leugnung anthropogener Erderwärmung sowie die Behauptung, Erdbeben könnten künstlich ausgelöst werden.

Inhaltliche Schwerpunkte und prominente Interviewpartner

Inhaltliche Schwerpunkte und prominente Interviewpartner

Neben klassischen Verschwörungserzählungen zum 11. September 2001, zur Flugzeugabsturzstelle MH17 oder zu angeblich unterdrückten Beweisen im Fall Winnenden wirbt NuoFlix für Inhalte des ehemaligen Lehrers Nikolai Nerling („Der Volkslehrer“). Nerling, wegen Holocaustleugnung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro verurteilt, wird im Portal als jemand dargestellt, der „vom Recht der Meinungsfreiheit Gebrauch“ mache. Weitere wiederkehrende Gäste sind der Autor Gerhard Wisnewski, der Ex-BND-Mitarbeiter Dirk Pohlmann sowie der Politiker Christoph Hörstel (Partei „Deutsche Mitte“). Themen wie Kornkreise, angebliche Freimaurer- oder Illuminatenverschwörungen, „Geheimgesellschaften“ und sogenannte „Exopolitik“ – die Behauptung einer außerirdischen Präsenz auf der Erde – bilden weitere inhaltliche Säulen. Für Gesundheitsthemen fungiert das Portal wiederholt als Werbeplattform für das umstrittene „Miracle Mineral Supplement“ (MMS), das weltweit von Gesundheitsbehörden vor dem Konsum gewarnt wird.

Kooperationen, Vernetzung und öffentliche Rezeption

NuoFlix pflegt enge Verbindungen zur „Exopolitik Deutschland“, zur EU-kritischen „Volksinitiative“ von Jürgen Elsässer sowie zu den mittlerweile verbotenen Seiten Altermedia und infokrieg.tv. Die NPD Wittenburg verlinkt das Portal, und der vor Gericht geflohene Blogger Ken Jebsen rief wiederholt zur Unterstützung auf. 2014 entstand gemeinsam mit dem Journalisten Mark Bartalmai (Mirko Möbius) der Film „Ukrainian Agony – Der verschwiegene Krieg“, der von RT Deutsch beworben wurde. Nach einem taz-Bericht vom Juni 2017 bezeichnete der Journalist Andreas Speit NuoViso als „einschlägig wegen seiner esoterischen bis verschwörungsideologischen Filme bekannt“. Der Politikwissenschaftler Markus Linden ordnete das Portal der „fundamental systemkritischen Szene“ Deutschlands zu. 2017 zogen der Lebensmittelkonzern Danone und die Stadt Wien ihre YouTube-Werbeanzeigen vor NuoFlix-Videos zurück, um Imageschäden zu vermeiden.

Sperren, Ruf in der Medienkritik und aktuelle Entwicklungen

Im Juli 2019 sperrte YouTube den Hauptkanal von NuoFlix kurzzeitig wegen „Verstoßes gegen die Nutzungsbestimmungen“. Die Betreiber reagierten mit dem Ausbau alternativer Plattformen wie 3speak. In der Folge richteten sie sich stärker gegen die deutschsprachige Wikipedia und das Rechercheprojekt Psiram, das sie als „Denunziationsnetzwerk“ diffamieren. Deutschlandfunk Kultur widmete 2018 einem Moderator des Senders einen Beitrag unter dem Titel „Radikalisierung durch YouTube – Mit zwei Klicks in die Filterblase“. Der Autor Philip Banse warf dem Interviewten vor, systematisch Falschinformationen zu verbreiten und dabei „mit zwei Klicks“ eine geschlossene Weltanschauung zu erzeugen. Trotz solcher Kritik erreichen einzelne Videos weiterhin sechsstellige Abrufzahlen, wenn sie sich auf gesellschaftlich brisante Ereignisse wie den Tod von Daniel H. oder die Klimapolitik beziehen. Seit dem Namenswechsel zu NuoFlix ist der ehemalige Mitarbeiter Uwe Steinle in die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden, während Mark Hegewald nicht mehr als Moderator auftritt.

Weblinks

  1. Deutschlandfunk Kultur: Radikalisierung durch YouTube
  2. taz: Verschwörungstheorien auf YouTube
  3. AFP Faktencheck zum Chemnitz-Fake