Peter Haisenko
Der Münchner Ex-Pilot betreibt seit 2007 den Anderwelt Verlag und vertritt Thesen zum Abschuss von MH17 sowie zur britisch-amerikanischen Geopolitik. Seine Bücher und Blogbeiträge stoßen auf Kritik.
Karriere als Verkehrspilot und Einstieg in die Medienbranche

Peter Haisenko wurde 1952 in München geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Verkehrspiloten an der Lufthansa-Flugschule. Er flog jahrelang als Erst- und Zweiter Offizier verschiedener Verkehrsflugzeuge des Unternehmens. Nach dem Ausstieg aus der Luftfahrt arbeitete er zunächst im Verlag Heinz Moos in Gräfelfing, bevor er sich 2007 mit dem Anderwelt Verlag selbstständig machte. Seitdem publiziert er Bücher mit historischen und geopolitischen Themen, darunter mehrere Eigenproduktionen sowie Werke von Autoren wie dem AfD-Politiker Hansjörg Müller und dem ehemaligen Bayernkurier-Redakteur Florian Stumfall.
Geschichtsbild zwischen Wirtschaftsanalyse und Revisionismus

In seinem 2010 erschienenen Werk „England, die Deutschen, die Juden und das 20. Jahrhundert“ entwirft Haisenko ein Geschichtsbild, das die Verantwortung für beide Weltkriege weitgehend Großbritannien und den USA zuschreibt. Er behauptet, das britische Empire habe aus wirtschaftlicher Rivalität heraus gezielt Kriege inszeniert, um den Aufstieg des Deutschen Reiches zu stoppen. Dabei zitiert er Autoren wie Gerd Schultze-Rhonhof und argumentiert mit Wirtschaftsdaten, um darzulegen, dass Deutschland von Kriegen stets nur verlieren konnte. Kritiker werfen ihm vor, kausale Zusammenhänge zu vereinfachen und Quellen selektiv auszuwählen. Das Buch wurde unter anderem vom deutschsprachigen Portal Muslim-Markt rezipiert; dessen Betreiber wurde später wegen Holocaustleugnung verurteilt.
Thesen zum Absturz von Flug MH17

Nach dem Absturz der malaysischen Boeing 777 über der Ostukraine am 17. Juli 2014 postulierte Haisenko in zahlreichen Blogbeiträgen und Interviews, das Flugzeug sei von zwei ukrainischen SU-25-Jagdbombern mit Maschinengewehrfeuer aus mehr als drei Kilometern Entfernung abgeschossen worden. Er verwies auf Fotos von Trümmerteilen mit kreisförmigen Löchern, die seiner Ansicht nach auf MG-Treffer hindeuten. Luftfahrtexperten, darunter der SU-25-Chefkonstrukteur Wladimir Babak, wiesen diese Darstellung zurück: die SU-25 erreiche zwar kurzfristig 10.000 Meter Höhe, könne dort aber nicht effektiv schießen, ohne zu stürzen. Auch das russische Verteidigungsministerium erklärte 2016, zum Zeitpunkt des Absturzes habe sich kein ukrainisches Militärflugzeug in unmittelbarer Nähe befunden. Die niederländische Untersuchungskommission identifizierte Splitter einer BUK-Luftraumrakete als Ursache.
Verbreitung und Rezeption der MH17-These
Haisenkos Version wurde wiederholt von russischen Staatsmedien wie Russia Today zitiert und im Internetportal des Journalisten Robert Parry verbreitet. 2020 trat er gemeinsam mit dem deutschen Freiberufler Billy Six auf einer Moskauer Pressekonferenz des „Center for the Protection of National Values“ auf und forderte eine neue internationale Untersuchung. Organisator Alexander Malkewitsch präsentierte zudem ein eigenes Buch, das die BUK-Raketen-These zurückweist. Lektüre der sogenannten „Wagner-Leaks“ zufolge wurde Malkewitschs Propagandaarbeit zumindest teilweise durch den Unternehmer Jevgenij Prigoschin finanziert, der unter anderem die Internet Research Agency betreibt. Deutsche Medien bezeichneten Haisenko wiederholt als Beispiel für „Putins deutsche Gehilfen“.
Netzwerke und Publikationsorgane
Neben seinem Verlag betreibt Haisenko das Blog „Anderweltonline“, in dem seit 2013 über 300 Artikel erschienen sind. Mitautoren sind unter anderem der ehemalige NPD-Funktionär Hans-Jörg Müllenmeister und der ehemalige Honigmann-Blog-Autor Ernst Köwing, der wegen Holocaustleugnung verurteilt wurde. Haisenko trat 2012 bei einem Treffen des sogenannten „Honigmann-Kreises“ in Königswusterhausen auf. Seine Bücher vertreibt er über den Anderwelt Verlag und über den Kopp-Verlag, der für verschwörungstheoretische Literatur bekannt ist. Zu den Autoren des Verlags zählen neben Politikern der AfD auch die Schauspielerin Silvana Heißenberg, die wegen ihrer scharfen Attacken gegen die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefallen war.
Zitate
Kiew hat zu intensiv um Vernichtung gebettelt. — Twitter-Beitrag von Peter Haisenko, 9. Oktober 2022
Nahezu jeder Krieg der Gegenwart ist zurückzuführen auf die perfiden Strategien des British Empire. — Blogeintrag auf anderweltonline, 2014