Widerstand2020
Die Initiative Widerstand2020 entstand im April 2020 als Reaktion auf die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie. Bereits zwei Monate später löste sich die Gruppierung wieder auf, ohne jemals offiziell als Partei anerkannt worden zu sein.
Gründung und Selbstdarstellung

Am 21. April 2020 ging die Online-Plattform „Widerstand2020“ online. Hinter dem Projekt standen zunächst die Rechtsanwalt Ralf Ludwig aus Leipzig, die Psychologiestudentin und Unternehmerin Victoria Hamm aus Lehrte sowie die Wirtschaftsjuristin Sabine Abbasi. Bereits zwei Tage später wurde Abbasis Name durch den HNO-Arzt Bodo Schiffmann aus Sinsheim ersetzt. Die Gruppe kündigte an, eine Partei gründen zu wollen, die sich gegen die von der Bundesregierung verhängten Kontaktbeschränkungen und Geschäftsschließungen richtete. Auf der Website wurde behauptet, binnen kürzester Zeit mehr als 100.000 Mitglieder gewonnen zu haben – eine Zahl, die sich weder verifizieren ließ noch mit offiziellen Meldungen beim Bundeswahlleiter einherging. Tatsächlich erhielt das zuständige Bundesamt bis Mai 2020 keine Unterlagen, die eine formale Parteigründung hätten einleiten können. Auch ein Jahr später, im Januar 2021, bestätigte das Büro des Bundeswahlleiters, dass keine entsprechenden Papiere eingegangen seien.
Interne Machtkämpfe und Austritte

Ende Mai 2020 wählten 33 anwesende Personen – offenbar die einzigen stimmberechtigten Mitglieder – die Heilpraktikerin und selbständige Lebenskünstlerin Sandra Wesolek zur Vorsitzenden. Wenige Tage später, am 4. Juni 2020, trat sie zurück, ebenso wie Schiffmann und der ebenfalls im Vorstand sitzende Bodo Piesch. Schiffmann erklärte einen Tag später, er werde am 14. Juni eine eigene Partei namens „Wir2020“ gründen. In der Satzung dieser neuen Gruppierung wurde ihm die Rolle des „Parteiidentitätshüters“ zugewiesen, der unter anderem befugt sein sollte, „Wahrheiten“ festzustellen. Victoria Hamm war bereits Anfang Mai 2020 als Gründerin von der Website verschwunden; ihre Erwähnung im Impressum blieb zunächst bestehen. In einer nur zehn Minuten online verfügbaren Stellungnahme führten die verbliebenen Aktivisten andere Gründe für ihren Austritt an. Als „Restvorstand“ fungierten danach noch Ralf Ludwig, Kirsten König, Christina Morgenthaler und Dirk Helwig.
Inhaltliche Positionen und Finanzierung

Zentrales Anliegen der Initiative war die Kritik an der Corona-Politik der etablierten Parteien. In einer im Mai 2020 veröffentlichten Erklärung forderte Ralf Ludwig die Einberufung eines „Notstandsparlaments“, weil nach seiner Ansicht das Grundgesetz fehlerhaft sei und Verfassungsgerichte „entgegen unseren Rechten“ handelten. Konkrete politische Konzepte blieben aus; stattdessen betonte die Gruppe, sie wolle dem „Volkswillen“ eine Stimme geben. Für die Finanzierung war zunächst ausschließlich die Annahme anonymer Spenden vorgesehen, wobei laut Satzung maximal 200 Euro pro Spender zulässig sein sollten. Als Zahlungsweg wurde PayPal genutzt. Ab Juni 2020 plante man die Einführung eines Mitgliedsbeitrags sowie die Erhebung einer Anmeldegebühr von fünf Euro. Zusätzliche Einnahmen sollten über einen Online-Shop erzielt werden, der über die Domain grundgesetz2020.de erreichbar war. Tatsächlich führte der Link jedoch lediglich zu einem eBay-Shop, der Textilien mit dem Aufdruck „Widerstand2020“ für 15 bis 25 Euro vertrieb.
Nachfolgeprojekte und Nachwirkungen
Nach der Selbstauflösung spaltete sich die Anhängerschaft auf. Ein Teil schloss sich Schiffmanns Projekt „Wir2020“ an, das jedoch ebenfalls keine nennenswerte politische Bedeutung erlangte. Eine andere Gruppe gründete am 4. Juli 2020 die „Basisdemokratische Partei Deutschland“ (Die Basis), an deren Gründungsveranstaltung der ehemalige Widerstand2020-Aktivist Ralf Ludwig teilnahm. Auch diese Partei konnte bei Wahlen bisher keine nennenswerten Erfolge erzielen. Ludwig selbst trat später als Unterstützer des Vereins „KlagePATEN“ hervor, der Musterschreiben für Bürger anbietet, die gegen Bußgelder wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen vorgehen wollen. Die Domain widerstand2020.de wurde inzwischen abgeschaltet; bis Februar 2022 ließen sich keine Aktivitäten mehr feststellen, die auf eine Fortexistenz der Initiative hindeuten.
Weblinks
- Spiegel: Corona-Protestbewegung Widerstand 2020 – Eine Möchtegern-Partei zerfällt sich selbst
- Tagesspiegel: Streit um Mitgliederbeteiligung – Neue Partei Widerstand 2020 demontiert sich selbst
- ZDF: Coronavirus – Die Partei Widerstand2020
- n-tv: Was sich hinter Widerstand2020 verbirgt
- RND: Corona-Protestpartei Widerstand 2020 – Gründerin steigt aus